Das Frauerächt wird 44 Jahre alt

Norbert Sedlak

Von Norbert Sedlak

Di, 28. Februar 2017

Weil am Rhein

Die Rätschgosche machen Fasnacht von Frauen für Frauen / Heute sind bei den närrischen Abenden auch Männer willkommen.

WEIL AM RHEIN. Die Rätschgosche feiern am Aschermittwoch mit ihrem 44. Frauerächt ein närrisches Jubiläum. Die ehemalige Nachmittagsveranstaltung mit Zunftcharakter ist inzwischen ein Frauenabend geworden, der von Männern gerne besucht wird und der mittlerweile die Buurefasnacht eröffnet.

Noch Anfang der siebziger Jahre war in Weil die Fasnacht fest in Männerhand und die Damen hatten es recht schwer, überhaupt eine eigene Fasnachtsclique gründen zu dürfen. Dafür musste erst die Zustimmung der Zunftmeister eingeholt werden. Doch die streitbaren Frauen um Ellen Kontowski (sie hatte die Idee), Erna Weiss, Lilian Dornberger, Melitta Läubin, Regina Schneider und Elisabeth Hoferer ließen nicht locker und gründeten am 12. Juli 1971 die Rätschgosche, blickte Oberrätsche Birgit Hinze-Rauchfuss zurück. Im Jahr 1973 wurde das erste Frauenrecht im Rittersaal im Gasthaus Schwanen organisiert, und seitdem mit Ausnahme von 1991, als es wegen des Golfkriegs ausfiel, jedes Jahr erfolgreich wiederholt.

Männer mussten draußen bleiben

Männer mussten draußen bleiben und Damen hatten nur Zutritt, wenn sie mindestens Kleidergröße 46 aufwiesen. "Das wurde aber nicht lange beibehalten, sonst hätten wir keinen Nachwuchs gewinnen können", erinnert sich die Oberrrätsche Bigi, die seit Kindesbeinen das Rätschgosche-Häs trägt. Ihr wurde die Fasnacht quasi in die Wiege gelegt, den sie wurde am Tag des Morgenstraichs um 2.30 Uhr geboren. Ihre Mama Heidi Hinze und Oma Franziska Lang (ihr Opa ist der Zunftmeister Willy Lang) nahmen sie zu allen Fasnachtsaktivitäten stets mit. Vater Erich Hinze sorgte mit Kurt Ruser beim Frauerächt als "Die zwei Clochards vom Läublinpark" für ausgelassene Fröhlichkeit, bis sie ihm dort mal die original schottische Mütze entwendet wurde.

Das Frauerächt war eine Veranstaltung von Frauen für Frauen (mit wenigen Ausnahmen), und die hatten mit dem ausgelassenen Fasnachtsprogramm mit Vorträgen, Sketchen und viel Tanz echten Spaß, sogar der SWR berichtete des Öfteren darüber. 1992 mischten sich der damalige Bürgermeister Rainer Stickelberger, Stadtrat Dierk Sievers und Hans-Rudi Lienin als Rätschgoschen verkleidet unter die Damen und die Anwesenden mussten erraten, wer unter der Verkleidung steckte. Unvergessen sind auch die Auftritte von Trudi Schöne, die auf der Bühne stets mit dem Velo ihre fasnachtliche Rede hielt. Ein Augenschmaus war die Darbietung der beleibten Damen als Wildecker Herzbuben. Einer der Höhepunkte war im Jahr 1995 der Auftritt der Rhy Waggis- Damen als Nonnen, bei dem sie die Männer als größte Fehlkonstruktion des lieben Gottes bezeichneten. Auch der Narrresome mit Heidi Ziegler bereicherte die Nachmittage.

Die Edelzwicker Kurt Ruser und Fritz Scherer zelebrierten jahrelang mit dem Flachbildschirm die Schnitzelbangg. Für die musikalische Unterhaltung mit Schunkelrunden und Polonaise sorgte das Charly Lienin Trio (mit Vater Karl-Friedrich, Mutter Gritle und Sohn Hans-Rudi), sowie die Zollcombo mit Charly Krapf, die Leimentäler, Patchwork, Nightshadows und nun seit Jahren die Partyand JBC.

Kontinuität und Wandel bei den Rätschgosche

Die Rätschgosche passten sich dem Wandel der Zeit an, ab 1993 fand das Frauenrächt abends statt und Ende der Neunziger Jahre wechselte frau in den Alten Rathauskeller. Heute sind Männer willkommen und die Besucher erwartet, wie in den Jahren zuvor, ein kleines aber feines Programm mit Guggenmusik, Schnitzelbangg und viel Gelegenheit zum Tanzen. Gleichzeitig setzen die Rätschgosche aber auch auf Kontinuität: Seit ihrer Gründung standen nur vier Oberrätschen an der Spitze der närrischen Damen: Erna Weiss, 25 Jahre lang, Lucia Strohmeier (verheiratet Ritter), Sandra Furtwängler und seit 2004 Bigi Hinze-Rauchfuss.

Zu ihrem 44. Frauerächt am Aschermittwoch, den 1. März, Einlass ab 18 Uhr, Programmbeginn um 19.11 Uhr, laden die Wiler Rätschgosche in den Gewölbekeller des Alten Rathauses ein. Für ein schwungvolles Programm sorgen die Aktiven der Rätschgosche selbst, sowie die Riisneegel mit ihrer Schnitzelbangg und die Guggemusik Quaakdäsche. Musikalisch unterstützt werden die Rätschgosche wieder durch das Trio JBC. Im Obergeschoss ist die "Rätsche-Bar" geöffnet.