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10. Januar 2012

Das Glück auf dem Rücken der Pferde

Der Haltinger Fachhändler Reitsport-Kaufmann und der Eimeldinger Springreiter Dreher testen einen revolutionären Sattel.

  1. Springreiter Hans-Dieter Dreher und Schwester Sylvia Pieper mit dem neuen, revolutionären Sattel Foto: Dippel

WEIL AM RHEIN-HALTINGEN. Karl-Frieder Kaufmann ist Neuerungen gegenüber schon immer aufgeschlossen. Deshalb ist sein Pferdesportgeschäft in Haltingen seit Jahrzehnten eines der führenden in Südbaden. Einen Namen hat sich Reitsport-Kaufmann vor allem mit dem Vertrieb von Pferdesätteln gemacht. Und hier ist für ihn (und seine Kunden) das Beste gerade gut genug.

So gehörte Kaufmann bundesweit zu den ersten Fachhändlern, die mit der italienischen Firma Prestige kooperierten, deren Produkte von den besten Reitern der Welt geschätzt und geritten werden. Vor 20 bis 25 Jahren, als noch niemand diese Firma kannte, hatte Kaufmann die Sättel der Firma Prestige bereits in sein Programm aufgenommen. Seither ist er ständig am Ball geblieben. "In dieser Zeit ist natürlich ein enormes Vertrauensverhältnis gewachsen", betont Sylvia Pieper, die sich bei Reitsport-Kaufmann seit vielen Jahren intensiv um die Kontakte kümmert. Zumal Prestige kaum Sättel von der Stange produziert, sondern sie Pferden und Reitern buchstäblich auf den Leib schneidert.

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"Uns begeistert vor allem, dass die Spezialisten von Prestige offen sind für Veränderungen und somit auch für die Wünsche der Reiter", sagt Sylvia Pieper. "Daher kommen sie mit ihren Sätteln jährlich regelmäßig fünf- bis sechsmal nach Weil, zum Gedankenaustausch und Testen der Sättel." Schließlich gehört Reitsport-Kaufmann diesbezüglich zu den Top-Drei-Fachläden in Deutschland. "Gerade bei empfindlichen Pferden kann ich mich jederzeit auf sie verlassen mit speziellen Wünschen und Anfertigungen", erzählt Sylvia Pieper, die ebenfalls zwei- bis dreimal jährlich nach Italien reist zu Roberto Rasia, dem Leiter der Entwicklungsabteilung von Prestige. Um den Wünschen gerecht zu werden, werden zuvor die Pferde und Reiter speziell vermessen. "Wir haben Ideen und die haben Ideen, und am Ende profitieren davon das Pferd und der Reiter", beschreibt Sylvia Pieper das Erfolgsgeheimnis.

Vor kurzem ist Prestige eine geradezu revolutionäre Innovation gelungen. So entwickelte die Firma einen Springsattel mit gleich zwei übereinander liegenden, fest verbundenen Sattelbäumen in Verbindung mit einem Stoßdämpfer – ein "Baum", sprich: Sattelpolster, für den Reiter und ein weiterer Baum für das Pferd. Damit versucht man den Widerspruch zu lösen zwischen genügend Schulterfreiheit des Vierbeiners und dem Bedürfnis des Reiters, die Balance so weit wie möglich vorne zu halten und sein Gewicht in der Landephase aufzufangen. "Der besondere Vorteil dieses neuen Sattelsystems ist es, dass die gesamte Wirbelsäule des Pferdes frei und nicht eingezwängt ist", erzählt Karl-Frieder Kaufmann, der überzeugt ist, dass sich dieses System in Zukunft auf dem Markt durchsetzen wird.

Einer der ersten Springreiter, die den neuen Sattel ausprobiert haben, ist Hans-Dieter Dreher. Mehr noch: Der Eimeldinger Springreiter, der in diesem Jahr raketenähnlich in die internationale Elite aufgestiegen ist und sich fest in der Weltspitze etabliert hat, wurde von Prestige vor kurzem als weltweit erster Springreiter überhaupt mit dem Springsattel mit zwei Sattelbäumen ausgestattet.

"Da machen sich die jahrelangen Beziehungen positiv bemerkbar", sagt seine Schwester Sylvia Pieper, die sich in Sattelfragen zur absoluten Spezialistin entwickelt hat. "Ich war anfangs ein wenig skeptisch, ob da nichts verrutscht oder man oben ins Schwimmen gerät", berichtet Hans-Dieter Dreher, "aber nachdem ich den Sattel ausprobiert habe, bin ich total begeistert. Die Pferde haben mehr Bewegungsfreiheit und springen viel gelöster, und ich sitze trotzdem völlig sicher." Kein Wunder, dass auch Cracks wie Meredith Michaels-Beerbaum, Vize-Europameister Carsten-Otto Nagel oder die deutsche Meisterin Janne-Friederike Meyer inzwischen auf den Sattel schwören.

Autor: Jochen Dippel