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01. Juli 2011

Ein Stück Sicherheit am Handgelenk

BZ-SERIE ALLTAG IM ALTER: Der Hausnotruf hat sich schon oft als Retter in höchster Not erwiesen.

  1. Ernst Pregger trägt seit acht Jahren den Sender für den Hausnotruf am Handgelenk, an der Wand hängt die Sendestation. Foto: FILLISCH

WEIL AM RHEIN. "Das ist schon eine echte Hilfe", sagt Ernst Pregger und deutet auf sein Armband mit dem großen orangefarbenen Punkt. Den Hausnotruf nutzt der 91-Jährige, der im Rollstuhl sitzt, schon seit acht Jahren – und der hat ihm schon wertvolle Dienste geleistet.

Pregger und seine inzwischen verstorbene Frau haben mehrfach nach Stürzen auf den leuchtenden Knopf gedrückt und schnelle Hilfe erhalten. Der noch immer lebensfrohe Mann ist einer von 140 Seniorinnen und Senioren, die den Hausnotruf bei der Diakoniestation Weil am Rhein-Vorderes Kandertal gemietet haben. Bei der katholischen Sozialstation sind es 85, Tendenz steigend. "Der Notruf gibt den alten Menschen ein Stück Sicherheit", sagen Edeltraud Pilling, die Verwaltungsleiterin der Diakoniestation, und Sozialstationsgeschäftsführer Gerd Hotz übereinstimmend. Und: Er ist ein wertvoller Mosaikstein, der dazu beiträgt, dass Senioren möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben können.

Das System ist einfach. Wer ein solches Gerät mietet, erhält einen Handsender, der in ein Armband, in eine Halskette oder – ganz neu – in einen Clip integriert ist. Bei einem Sturz oder einer sonstigen Notlage wird der orange Knopf betätigt, das Signal wird von der Notrufstation, die mit dem Telefon verbunden ist, an die jeweilige Notrufzentrale weitergeleitet. Von dort erfolgt sofort die Rückfrage über den Lautsprecher der Notrufstation. Der Hilfesuchende kann sagen, was ihm fehlt. Und, wenn er dazu nicht mehr in der Lage ist, wird eine Pflegefachkraft in der Diakonie- oder der Sozialstation umgehend in Marsch gesetzt.

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Rund um die Uhr ist dieser Service erreichbar. Die diensthabende Schwester hat nicht nur die Schlüssel, sondern auch alle Unterlagen der Hausnotruf-Mieter. Darin ist unter anderem festgehalten, welche Medikamente ein Patient erhält und wo diese aufbewahrt werden. Oder aber es wird auf bestimmte Gewohnheiten hingewiesen, zum Beispiel dass sich der alte Mensch oft im Garten oder im Keller aufhält und bei einem Notruf auch dort gesucht werden könnte. "Mit chronischen Herzpatienten können wir außerdem vereinbaren, dass sofort Notarzt und Krankenwagen alarmiert werden", sagt Edeltraut Pilling.

Die Nutzer dieses Service sollten ihrerseits sicherstellen, dass der Zugang zu ihrer Wohnung möglich ist. "Unsere Pflegekraft stand auch schon vor verschlossenen Türen", berichtet die Verwaltungsleiterin der Diakoniestation, "entweder steckte ein Schlüssel von innen oder das Türschloss war ausgewechselt worden, ohne uns zu benachrichtigen." Glücklicherweise hatten diese Fälle bislang noch keine ernsthaften Folgen.

Was Pilling auch immer wieder beobachtet: "Die Leute haben ihren Handsender auf dem Nachttisch liegen, und da hilft er ihnen natürlich wenig." Eine andere "Schwachstelle" auf Seiten der Abonnenten konnte mit Hilfe der modernen Technik ausgemerzt werden: "Früher kam es manchmal vor, dass der Stecker der Notrufstation herausgezogen wurde und das Gerät nicht mehr funktionierte. Die modernen Geräte registrieren so etwas und melden es sofort an die Notrufzentrale."

Wer alles richtig macht, dem wird in kürzestmöglicher Zeit geholfen. Eine Frau entschloss sich zum Hausnotruf bei der Diakoniestation, nachdem ihre Schwester nach einem Schlaganfall acht Stunden lang hilflos in der Wohnung lag. Oftmals wird ein Vertrag auch erst einmal übergangsweise abgeschlossen, wenn die Kinder in Urlaub sind. Und dann kann man das Gerät auch testen, so bietet die Sozialstation jährlich im November einen kostenlosen Werbemonat an.

Dass die Hilfeleistung aber nicht umsonst sein kann, versteht sich von selbst. Etwas mehr als 40 Euro kostet das Abonnement monatlich, davon kann die Pflegeversicherung 18 Euro übernehmen. Wie drückt es ein Hausnotruf-Nutzer der Diakoniestation aus: "Das ist wie bei einer Versicherung. Man zahlt dafür, aber man hofft, dass man sie nie in Anspruch nehmen muss."

Hausnotruf: Information gibt es zum Hausnotruf bei der Diakoniestation (Edeltraud Pilling, Tel. 07621/ 979 630), bei der katholischen Sozialstation (Holger Wölfle, Tel. 07621/98 118) oder beim DRK-Kreisverband Lörrach (07621/151 541)

Autor: Jochen Fillisch