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10. Februar 2012
Einfach und doch rätselhaft
Max Meinrad Geiger inszeniert in der Stadtbibliothek ein raffiniertes Spiel von Licht und Schatten.
WEIL AM RHEIN. Ein raffiniertes Spiel von Licht und Schatten inszeniert Max Meinrad Geiger in seiner Ausstellung in der Stadtbibliothek. Es war für den Künstler aus Inzlingen eine Herausforderung, diesen außergewöhnlichen Raum, eine ehemalige Kirche, mit Skulpturen und Objekten zu gestalten. So eröffnet sich dem Besucher eine Raum-Installation mit Licht- und Schattenräumen, Schattenprojektionen an der Wand und auf dem Boden sowie Zwischenräumen von Hell und Dunkel.
Max Meinrad Geiger ist für seine spektakulären Feuerturm-Aktionen und interaktiven Projekte bekannt. Doch seine Licht-Schatten-Installationen seien genauso reizvoll, meinte Bibliotheksleiterin Ellen Benz bei der Vernissage. Überhaupt sei der Schatten ein sehr spannendes Thema, nicht nur in der Kunst.Um Zwischenräume des Lebens, Licht und Dunkel, Schatten im konkreten und übertragenen Sinn ging es auch in der Lesung von Helga Thomas, die mit eigenen Gedichten zu diesem Thema vielfältige Assoziationen weckte. Die in Lörrach lebende Autorin, die Lyrik und Romane schreibt, gab mit ihren poetischen, tiefsinnigen Texten Anregungen zur Interpretation der Werke von Geiger. Man konnte sich von der Sprachmelodie, den Bildern, die beim Hören entstehen, leiten lassen und dann die Arbeiten Geigers mit sensiblerer Wahrnehmung betrachten.
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Dominierend im Raum ist ein fast 2,50 Meter hoher Holzturm aus einfachen, übereinander versetzten Latten, die lebendige Schattenmuster werfen. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall ergeben sich in diesem schlichten geometrischen räumlichen Holzkörper interessante Überschneidungen, Zwischenräume, Durchblicke, ein Spiel der Linien und immer neuen Formen, die teilweise an Mosaike oder Ornamente erinnern. Einfach, klar, geometrisch ist Geigers Formensprache auch in dem großen Holzkubus, der ebenfalls schlichte Urformen aufgreift und mit Innenräumen und Durchblicken arbeitet. Der Inzlinger Bildhauer beschäftigt sich schon lange mit der Form des Würfels. In der Reduktion auf Wesentliches steht Geiger der amerikanischen Minimal Art eines Donald Judd nahe.
Eine Form, die sich ebenfalls prägend durch Geigers Formenkosmos zieht, ist der Stern als Metapher für die Zeit. Der achteckige Stern, entwickelt und abgewandelt aus geometrischen Grundformen, erscheint in dieser Ausstellung in vielfältigen Variationen und Materialien. Einmal als zwei Meter großer, rostfarben leuchtender Stern aus Holzfaserplatten, der an der weißen Wand ein wunderbar lebendiges Schattenspiel hervorruft. Auch in Stein hat Geiger diese immer exakt gleiche Sternenform geschaffen und im Raum Marmorsterne verteilt. Auf einer großen Rötelzeichnung sind die wichtigsten Formen in Geigers Formenkosmos vereinigt: Vegetative, blattartige Formen, mit denen alles begonnen hat, Kreisbewegungen, die stilisierte Tulpenform, die zum Markenzeichen des "Tulpenmanns" Geiger wurde, und die daraus abgewandelte und weiter geführte Sternenform. Dass der Aktionskünstler auch viel Sinn für Ironie und Humor hat, verraten zwei "tragbare Kunstwerke" mit angedeuteten vegetativen Formen auf Holz und praktischen Griffen.
Autor: Roswitha Frey
