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02. Mai 2016

Erleben, was die Stadt zu bieten hat

KULTURNACHT LÖRRACH-WEIL:Weiler Beiträge weisen eine enorme Spannbreite auf und bringen manchen Besucher ins Staunen.

WEIL AM RHEIN. Die erste Kulturnacht der Städte Weil am Rhein und Lörrach war in der Stadt der Stühle gut besucht. Bis spät in die Nacht stiegen die Menschen in den Shuttlebus und ließen sich treiben zwischen den Kulturangeboten im Industriedenkmal Kieswerk und im Kulturzentrum Kesselhaus, in Kirchen, der Stadtbibliothek, am Rathaus und an anderen Orten.

Es war ein Programm der Gegensätze. Wer mit dem Bus aus Lörrach kam, den erwarteten im Stapflehus am Lindenplatz fantastisch-heitere bis düstere Videoinstallationen. Auf einer Wand im Erdgeschoss drehten sich die poetischen Fantasielandschaften der Weiler Künstlerin Katrin Niedermeier. Ein knallbunter Drachen, von Kinderhand gezeichnet, wanderte durchs Bild. Zur Stärkung servierte der Kunstverein japanische Nudelsuppe.

Gleich nebenan in der Altweiler Kirche und im Alten Rathaus herrschte festlicher Konzertbetrieb. Das Harfen- und das Celloensemble der Musikschule Weil spielten, verschiedene Chöre traten auf, zum Ausklang trugen die Sängerin Silke Marchfeld und Gitarrist Sebastian Röhl "Nachtlieder" vor.

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Im Museum am Lindenplatz lauschten die Menschen – passend zur Feuerwehrausstellung – Geschichten und Gedichten rund ums Feuer, wozu Musikschüler aus Lörrach Flötenmusik spielten.

Im Kunstraum Kieswerk erlebten die Besucher ein surreales Kunstgeschehen, bei dem Tiere im Mittelpunkt standen. Die Förderbänder und historischen Maschinen des Industriedenkmals glühten in wechselnden Lichteffekten, lebensgroße Tierskulpturen tauchten auf.

Kleine und größere

Überraschungen

Wer sich in Weil durch die Kulturnacht treiben ließ, erlebte immer wieder kleinere oder größere Überraschungen. Ein Besucher aus Basel staunte, als er das Harfenensemble der Musikschule hörte: "Neun Kinder spielen dieses Instrument – und das in einer so kleinen Stadt!" Im Museum Weiler Textilgeschichte beim Kesselhaus stellte die Schweizer Künstlerin Ute Lennartz-Lembeck ihre Straßenkunst "Urban Knitting" vor. Von der Decke hingen bunte Wollseile mit Stofffahnen, auf die Menschen aus aller Welt ihre Wünsche geschrieben und gestickt hatten. Überrascht und erfreut ließen vor allem Besucherinnen sich davon berühren.

Im Shuttlebus überraschten die Weiler Stadtführer immer wieder mit Begebenheiten aus der Geschichte von Weil. So berichtete Brigitte Wittkämper, wie Weil vor 17 Jahren quasi über Nacht zur Stadt der Stühle wurde. Ellen Benz, die Leiterin der Stadtbibliothek, war überrascht, wie viele Menschen sich vom Poetryslam, einer für Weil völlig neuen Form der Literaturlesung, begeistern ließen. Im großen Saal der Bibliothek lauschten einige Zuhörer sogar im Stehen den in schnellem Wechsel präsentierten Geschichten von Dominik Bartels, Robert Kayser und Sebastian Hahn. Vom "Land der Drachenfrüchte und Melonen" war da zum Beispiel die Rede, in dem eigentlich so verschiedene Menschen wie Sachsen, Pfälzer und Migranten Platz finden müssten.

Mit der ersten gemeinsamen Kulturnacht wollten die Städte Weil und Lörrach ihr reiches Kulturleben erfahrbar machen – auch über Stadtgrenzen hinweg, schrieben OB Wolfgang Dietz und sein Lörracher Kollege Jörg Lutz im Programmheft. Der Austausch zwischen Bürgern und Kulturschaffenden beider Städte sei das Ziel.

Wie die Lörracher auf das

Weiler Angebot reagierten

Der erste Schritt auf dieses Ziel hin scheint gelungen. Immer wieder kam die BZ-Reporterin mit Besuchern aus Lörrach ins Gespräch. Da war das Paar, das in Altweil aus dem Bus stieg und sich treiben lassen wollte. Plakate und Zeitungsberichte hätten sie neugierig gemacht, erzählten die beiden. "Wir waren dort, wo es gut ist", erzählten drei Lörracherinnen lachend, während sie kurz vor Mitternacht zum letzten Bus nach Hause aufbrachen. Sie hätten im Programmheft gezielt zwei Veranstaltungen ausgesucht – den Magier im Dreiländermuseum Lörrach und die Rocknacht im Haus der Volksbildung in Weil. Zwei ältere Damen aus Lörrach regten Verbesserungen für die nächste Kulturnacht an. Sie hätten sich beim Kesselhaus warme Küche bis Mitternacht gewünscht, außerdem besser gekennzeichnete Haltestellen, sagten sie. Andere Besucher schlugen eine direkte schnelle Busverbindung zwischen beiden Städten vor.

Bei der Kulturnacht wirkten Kulturschaffende aus Weil und Lörrach, aber auch aus anderen Orten mit, Profis und Amateure waren dabei. Im vollbesetzten Haus der Volksbildung spielten die Lörracher "Trinat-Band" der Dualen Hochschule und zwei weitere Bands aus dem Dreiländereck vitalen Rock, Blues und Pop. Im Kesselhaus hatten mehrere Künstler ihre Ateliers geöffnet. Als die drei Freundinnen aus Lörrach vom Rathausplatz zum letzten Bus aufbrachen, ließ die Stadtmusik Lörrach dort gerade ihren Auftritt mit einem Medley schwungvoller Chansons ausklingen. Während des ganzen Abends hatten die Stadtmusiken von Weil am Rhein und Lörrach die Besucher vor dem Rathaus mit stimmungsvoller Blasmusik unterhalten.

Autor: Regine Ounas-Kräusel