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18. Februar 2017

Für 18 Flüchtlinge wird’s nun ernst

Projekt IDA geht nach dem Sprachunterricht in die zweite Phase.

  1. Anu Karjalainen Foto: Ulrich Senf

  2. Karsten Pabst Foto: Norbert Sedlak

WEIL AM RHEIN. Vor einem halben Jahr haben die Stadt Weil am Rhein und sechs örtliche Betriebe das Projekt "Integration durch Ausbildung" (IDA) ins Leben gerufen. Damit wollen sie einen Beitrag dazu leisten, dass Flüchtlinge nicht nur untergebracht und versorgt werden, sondern Zugang in den Arbeitsmarkt erhalten und sich so eine eigene Existenz aufbauen können. Die ersten 18 Teilnehmer dieses Projekts erhalten nach einem halben Jahr Deutschunterricht nun ab dem 1. März Gelegenheit, bei einem halbjährigen Praktikum ihre Eignung nachzuweisen. Zugleich geht das Projekt mit 20 neuen Teilnehmern in die zweite Runde.

Seit September trafen sich die 20 teilnehmenden Flüchtlinge von Montag bis Freitag in Räumen der Firma Vitra, um intensiv Deutsch zu lernen. Zwischen 30 und 40 Stunden Deutschunterricht kamen so pro Woche zusammen, auch Hausaufgaben waren noch zu machen. Von den Projektteilnehmern wird also einiges verlangt. Zweien war das irgendwann zu viel, deshalb geht man nun nur noch mit 18 Personen in die Praktikumsphase.

Zwei Drittel Männer, ein Drittel Frauen, von 19 bis 50 Jahren

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Zwei Drittel der Teilnehmer sind Männer, ein Drittel Frauen. Dem Alter nach ist die Gruppe sehr gemischt. Der jüngste ist 19 Jahre alt, die älteste Teilnehmerin knapp 50. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien (11), außerdem sind vier Afghanen, zwei Iraner und ein Iraker mit von der Partie. Fast alle von ihnen wohnen in Weil am Rhein. Zwei Teilnehmer wohnen in Kandern und Lörrach.

Für sie alle beginnt nun im März die Praktikumsphase, die sie bei den Firmen Froede, Raymond, Vitra, Conductix-Wampfler, Endress+Hauser und Hieber absolvieren. Während der Unterrichtsphase hatten alle Teilnehmer Gelegenheit, die beteiligten Betriebe zu besuchen und kennenzulernen. Zudem durften sie Wünsche anmelden, in welchem Betrieb sie gerne ihr Praktikum leisten würden. Dem wurde, soweit möglich, entsprochen. Bezahlt werden die Praktikanten aus Mitteln der Arbeitsagentur und der teilnehmenden Firmen. Bis September haben Betriebe und Flüchtlinge nun Gelegenheit, für sich auszuloten, ob sie zueinander passen und aus dem Praktikum eine feste Anstellung werden kann. Falls ja, gibt es zwei Optionen: Entweder wird der Anwärter in ein Beschäftigungsverhältnis übernommen, oder er erhält die Gelegenheit, eine Ausbildung zu beginnen.

Darüber, wie die Entscheidungen im September ausfallen, will die städtische Flüchtlingsbeauftragte Anu Karjalaien derzeit nicht spekulieren. Sie versichert aber, dass die Betriebe sehr engagiert bei der Sache sind und großes Interesse daran haben, die Flüchtlinge zu integrieren. Viel hänge also davon ab, ob die es verstehen, die sich bietende Chance zu nutzen.

Carsten Pabst von der Firma Hieber ist optimistisch. Man habe für das Projekt Menschen ausgesucht, "die schon sehr gut unterwegs waren", also erkennbar Interesse am eigenen Fortkommen gezeigt hätten. Nun wolle man ihnen auch helfen, in Arbeit zu kommen. Und falls es im eigenen Betrieb nicht passe, werde man sich bemühen, die Projektteilnehmer andernorts unterzubringen.

Parallel dazu beginnt die Arbeit mit der zweiten Generation. Im März beginnt der Deutsch-Unterricht für weitere 20 Flüchtlinge. Dieses Mal sind genauso viele Frauen wie Männer dabei. Und man hat anhand der Sprachkurse bei der VHS bereits eine Vorauswahl getroffen, um die Chance auf einen erfolgreichen Ausgang des Projekts noch einmal zu erhöhen.

Autor: Hannes Lauber