Im Haus spukt’s – die früheren Besitzer mischen sich ein

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 09. April 2018

Weil am Rhein

"Gueti Geischter" erweisen sich als eine himmlisch vergnügliche Komödie, in der die Tam-Schauspieler mit viel Esprit und Elan beste Unterhaltung bieten.

WEIL AM RHEIN. Mit der hinreißenden Komödie "Gueti Geischter" feierte das Tam-Team im Weiler Theater am Mühlenrain eine viel bejubelte Premiere. Die vielen Lacher, Szenenapplaus und der riesige Schlussbeifall zeigten, wie köstlich sich das Publikum über diese neue hauseigene Inszenierung des Ensembles um Theaterchef Klaus-Peter Klein amüsiert hat.

Ein seltsames Knarren, schief hängende Bilder, Gegenstände, die sich wie von Geisterhand bewegen: Merkwürdige Dinge geschehen im gemütlichen Häuschen in Ötlingen, in dem sich einst der Krimiautor Julius Mock und seine werte Gattin aufs Land zurückgezogen hatten. Das illustre Pärchen spukt nach seinem tragischen Ableben noch immer durch sein einstiges Domizil und mischt sich kräftig in das Leben der heutigen Bewohner ein. Aus dieser Situation entspinnen sich in diesem Stück von Pam Valentine, das Emine Akman pointensicher und einfallsreich inszeniert hat, ebenso witzige wie überraschende Szenen.

In der alemannischen Dialektfassung spielen sich Sandra Trefzer als Amalie und Klaus-Peter Klein als Julius Mock wunderbar die Bälle zu und sprühen nur so vor Dialogwitz. Das glänzend aufeinander eingespielte Traumpaar der Tam-Bühne gibt das herumgeisternde Ehepaar in nostalgischen 20er-Jahre-Kostümen. Sandra Trefzer brilliert als attraktive Lady mit mondänem Glamour und Eleganz. Klaus-Peter Klein wirkt in Knickerbockern und Schiebermütze höchst überzeugend als Krimiautor, der Reißer wie "Der Würger von Wintersweiler" geschrieben hat.

Es macht großes Vergnügen, dem Geisterpärchen zuzuschauen, wie es, unsichtbar für die anderen Bühnenakteure, aber natürlich sichtbar für die Zuschauer, Uhren, Möbel, Bilder hin und her rückt, um die Maklerin und die Wohnungssuchenden zu vergraulen. Schauspielerisch voller Esprit und funkensprühendem Elan liefern sich die temperamentvolle, streitlustige Sandra Trefzer und der mit herrlich trockenem Humor und brummbärigem Charme agierende Klaus-Peter Klein Szenen einer Ehe aus dem Jenseits. Sie erinnern sich an den verhängnisvollen Bootsausflug und den Disput an der Himmelspforte mit Petrus, der sie zurückschickte. Und so hausen sie wieder in ihrem einstigen ländlichen Refugium.

Als ein jungverheiratetes Paar in das "Spukhaus" einziehen will, das ihnen sympathisch ist, helfen die beiden "guten Geister" nach Kräften. Peter Huber spielt den neuen Mieter Udo Zünder als bodenständigen, patenten Kerl, der aber ständig in Geldnöten steckt. Er entpuppt sich als glühender Fan des Kriminalschriftstellers Julius Mock und würde auch gern einen Bestseller schreiben, was ihm aber nur mit Hilfe des "Ghostwriters" gelingt. Ganz in Rosa und Pink gehüllt, erscheint Christine Krauth als seine liebenswerte, schwangere Frau Caroline, die erfrischende Natürlichkeit und Herzlichkeit ausstrahlt und einen Hang zur Romantik hat. Der Haussegen hängt aber bald schief, als sich die gefürchtete Schwiegermutter zum Besuch ansagt: Als blasierte, hochnäsige "schwarze Witwe", die das abgelegene Häuschen spitzzüngig als "Gülleloch" bezeichnet, hat Karin Drändle bühnenwirksame Auftritte. Ebenso effektvoll in Gestik und Mimik spielt Sabine Iles die geschäftstüchtige Maklerin, die höchst verschreckt auf die spukhaften Ereignisse reagiert.

Ein echter Überraschungscoup gelingt der Inszenierung mit dem Auftreten eines Engels: Manfred Scheewe spielt im weiß glitzernden Anzug den gestressten, coolen, unter Zeitdruck stehenden Schutzengel, der angesichts der dramatischen Geschehnisse zu Hilfe eilt.

Weitere Vorstellungen der "Gueti Geischter" sind am 13., 14., 15., 20., 22., 27., 28., 30. April, 20.15 Uhr, sonntags jeweils um 19.15 Uhr. Karten sind unter Telefon 07621/71334 zu bestellen.