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22. Juni 2010

Junge Freiwillige sollen’s richten

Stickelberger und Dienste setzen auf Freiwilliges Soziales Jahr.

WEIL AM RHEIN. Wie soll es mit der Nachbarschaftshilfe von Diakonie und Sozialstation weitergehen, wenn Wehr- und Zivildienst erneut verkürzt werden? Am Freitag hatten beide Einrichtungen Gelegenheit, ihre Sorgen dem SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger vorzutragen. Dabei zeigte sich deutlich: Ohne Aufwertung und intensive Werbung für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) wird man an der Einschränkung oder Aufgabe von Dienstleistungen kaum vorbeikommen.

Dass die Nachbarschaftshilfe in der bisherigen Form mit den Zivildienstleistenden nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, wenn sich deren Zahl und Dienstzeit verringern, war sowohl für Gerd Hotz, Geschäftsführer der katholischen Sozialstation, als auch Wolfgang Schell, Vorsitzender der Diakonie, unausweichlich. Der Einsatz anderer Mitarbeiter würde das Angebot deutlich verteuern und dazu führen, dass "die Ärmsten durchfallen." Deshalb brauchen die Sozialdienste eine kostengünstige Lösung.

Rainer Stickelberger setzt dazu auf das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), von einem sozialen Pflichtjahr hält er dagegen nichts, weil die Pflegedienste engagierte und willige junge Leute brauche. Das FSJ müsse aber attraktiver gestaltet werden, sowohl hinsichtlich der Bezahlung als auch der damit verbundenen Anerkennung. Hier sei der Bund gefragt. So müssten die beim Zivildienst eingesparten Mittel (die Rede ist von 38 Millionen Euro) in den Ausbau des FSJ fließen. Schell hielt es zudem für wünschenswert, wenn Absolventen des FSJ Boni bei der Ausbildung, im Studium oder bei der Einstellung in Betrieben erhalten würden: "Wir sorgen für sozial kompetente junge Menschen, die ein Gewinn für die Betriebe sind. Das sollte belohnt werden."

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Allerdings verwies Gerd Hotz auch darauf, dass die Stärkung des FSJ nur ein Aspekt einer größeren Misere sei: "Die Politik versagt entlang der demographischen Entwicklung", monierte Hotz und forderte für die Träger generell eine bessere finanzielle Ausstattung. Dass dies nicht geschehe, liege daran, dass die sozialen Dienste "keine Lobby" hätten, obwohl die Probleme immer größer würden. Die ehrenamtlichen Helfer stießen längst an ihre Grenzen, warnte Hotz. Wolfgang Schell konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass immer dort gespart würde, "wo niemand jammert."

Stickelberger sieht das ähnlich: "Der soziale Bereich ist immer am leisesten, ich würde mir wünschen, sie würden lauter sein." Er verwies aber auch darauf, dass die Dienste viele Dinge tun, die eigentlich staatliche Aufgabe wären. Deshalb brauche es endlich "verlässliche gesetzliche Vereinbarungen", auf die er nun drängen will. Im übrigen empfahl er den sozialen Diensten, ihre Betroffenheit öfter von unten nach oben durchzumelden, um so mehr Einfluss zu gewinnen.

Autor: Hannes Lauber