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15. November 2017

Krieg, Leid und Verfolgung

Gemeinschaftsschüler lenken am Sonntag den Blick auch aufs Schicksal ihrer neuen Klassenkameraden.

  1. Erstmals bringen sich am Sonntag Gemeinschaftsschüler in die Gedenkfeier ein. Foto: Archivfoto: Senf

WEIL AM RHEIN. Einen ganz besonderen Akzent wird die offizielle Gedenkfeier am kommenden Sonntag auf dem Hauptfriedhof durch die Beiträge der Gemeinschaftsschüler erhalten. Dabei blicken die Siebtklässler nicht nur auf die Vergangenheit zurück, sondern wollen den Blick auch auf das Schicksal ihrer neuen Mitschüler lenken. 20 Flüchtlingskinder werden inzwischen an der Schule unterrichtet, die nun erstmals die Feier zum Volkstrauertag mitgestaltet.

"Krieg, Leid und Verfolgung, das ist für die Schüler nicht mehr nur etwas Abstraktes, sondern das ist ein Teil des Lebens ihrer Mitschüler, von dem sie immer mehr mitbekommen", schildert Rektor Burkhard Keller die Situation an der Schule. Standen anfangs noch die enormen Sprachschwierigkeiten einer engeren Kontaktaufnahme zwischen den Schülern der Gemeinschaftsschule und den Flüchtlingskindern entgegen, so würde die Begegnung immer intensiver. Inzwischen gebe es auch schon Flüchtlinge, die nicht nur die Sprachförderklassen besuchen, sondern zumindest teilweise am regulären Unterricht teilnehmen. Das Miteinander der Kinder und Jugendlichen an der Schule sei sehr harmonisch.

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Dabei sei es ganz selbstverständlich, dass die Kinder und Jugendlichen von ihrem Schicksal erzählen und sie von ihren Mitschülern auch nach dem gefragt werden, was sie in ihrer Heimat und auf der Flucht erlebt haben, erklärt Keller. "Der Krieg in Syrien ist dann plötzlich nicht mehr so weit weg", so Keller. Das führe dazu, dass die Jugendlich Fragen stellten, auf die die Schule reagieren wolle. Als Geschichtslehrer ist es Burkhard Keller dabei wichtig, dass die Schüler erkennen, welches Leid Kriege erzeugen und wie wichtig es ist, aktiv für Frieden einzustehen. "Frieden ist nichts Selbstverständliches", sei denn auch die zentrale Botschaft, die die Schüler am Sonntag den Besuchern der Gedenkfeier auf den Hauptfriedhof mitgeben wollen.

Den Anstoß dazu, dass die Gemeinschaftsschule in diesem Jahr erstmals eine solche Gedenkfeier mitgestaltet, hat Keller im vergangenen Jahr erhalten, als er als Gast die Beiträge der Schüler des Oberrhein-Gymnasiums hörte. Bei der Stadt war sein Vorschlag, den Kreis der Schulen, die sich bei den jährlichen Feiern einbringen, über die beiden Gymnasien und die Realschule hinaus um die Gemeinschaftsschule zu erweitern, sofort auf positive Resonanz gestoßen – auch wenn zu dem Zeitpunkt noch niemand die besonderen Umstände im Blick hatte, die die Schüler nun auf ganz unerwartete und sehr persönliche Weise mit dem Thema Krieg konfrontierten würden.

Keller setzt darauf, dass die sechs Schüler, die sich nun schon seit längerem mit dem Thema beschäftigen, die Zuhörer mit ihrem Anliegen auch erreichen – trotz ihres junges Alter von gerade einmal 13/14 Jahren und der nach und nach wachsenden Nervosität vor dem Auftritt. Dafür werde fleißig geprobt, auch um den Umgang mit dem Mikrofon zu üben. Sollte der Beitrag bei den Besuchern ankommen, geht Keller davon aus, dass das nicht der letzte Auftritt von Gemeinschaftsschülern sein werde.

Autor: Ulrich Senf