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15. April 2017

Neu im Tam: spontane Rollenspiele

Emine Akman bietet für alle, die den Alltag hinter sich lassen wollen, Kurse in Improvisation ganz ohne vorgefasste Texte an.

  1. Einfach mal mitmachen – dazu lädt Emine Akman ein. Foto: Frey

WEIL AM RHEIN. "Raus aus dem Alltag, rauf auf die Bühne!" So lautet das Motto eines neuen Formates im Weiler Theater am Mühlenrain. Seit Anfang April bietet die Schauspielerin Emine Akman jeden Montagabend Improvisationstheater zum Mitmachen an.

Ohne Drehbuch, ohne festgelegten Text, ohne vorgefertigte Regie spielen die Teilnehmer kleine Szenen, die spontan aus dem Moment heraus entwickelt werden. "Die Kellerkinder – Improtheater" basiert auf einer Idee des Theaterautors Johannes Galli. Es geht darum, dass die Leute in ihr eigenes Rollenrepertoire hineingeführt werden und spielerisch herausfinden, was für einen Typen sie spielen, in welcher "Rolle" sie sich wohlfühlen und was sie gern mal machen würden. Der Theaterworkshop wendet sich an alle, die nach Feierabend den Alltagsstress hinter sich lassen und etwas Neues ausprobieren wollen. Schauspielerische Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich.

Um den Alltag abzuschütteln, beginnt der Abend im Kursraum zur Auflockerung mit einer Tanzmeditation zu verschiedener Musik. Ruhige Musik suggeriert Entspannung. Da wird eine Figur gespielt, die es sich vor dem Fernseher gemütlich macht. Dann gibt es das krasse Gegenteil: den Typen, der angespannt ist und so richtig in Fahrt kommt.

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Nach den Übungen geht es auf die Bühne des Kleinkunsttheaters. Dort beginnt dann das eigentliche Improvisationstheater. "Es geht darum, die Beobachtung und das Wachsein für die Umgebung, für den Alltag, für den Augenblick zu schulen", erklärt Emine Akman. Zuerst fragt Akman die Teilnehmer, ob es eine bestimmte Situation gibt, die sie in kleinen Szenen nachspielen möchten. Spontan, aus dem Stegreif. Falls keine speziellen Wünsche von den Akteuren geäußert werden, gibt es einige Standardszenen, die immer gut ankommen. Da wäre zum Beispiel "der unerwartete Besuch". Jemand hat es sich zu Hause auf der Couch gemütlich gemacht, freut sich auf einen entspannten Abend. Plötzlich klingelt es, ein überraschender Besucher steht vor der Tür. Wie der Bewohner und sein unerwarteter Gast reagieren, wird in den Spielszenen dann herausgearbeitet.

Eine andere Standardszene, die gern aufgegriffen wird, ist "Kaufen und Verkaufen". Man stellt sich eine Marktszene vor, bei der einer sein Produkt anpreist und der andere den Kunden mimt. Eine weitere Szene, die viele spontane Ausdrucksmöglichkeiten bietet, ist "Die Parkbank". Zwei Leute haben sich gerade erst kennengelernt, sind ins Kino gegangen und machen auf dem Heimweg auf der Parkbank Halt, um den Abend Revue passieren zu lassen.

"In solchen Szenen geht es immer darum, ein Gespür für die Situation, für den anderen zu entwickeln und offen auf die Situation und den anderen zu reagieren", sagt Emine Akman, die in München 20 Jahre Improvisationstheater gemacht hat und viel Erfahrung in dieser Theaterform mitbringt. Sie selbst spielt in den Szenen nicht mit, sondern hält sich bewusst raus. Schließlich sind es die Teilnehmer, die in diesen Szenen, die nah an der Realität sind und viele aus dem eigenen Alltag kennen, ihre Spontaneität, ihr Improvisationsgeschick, Spielfreude, Fantasie und eigene Ideen einbringen. Auch Beziehungsszenen werden gerne gespielt, so Akman. "Das Thema Mann und Frau gibt die Möglichkeit, Gefühle in sich aufsteigen zu lassen".

Jeder Abend wird anders – je nach der Zusammensetzung der Teilnehmer. Gespielt wird ohne Kostüme, auch ohne große Requisiten. Ein paar Hüte und andere Accessoires stehen für das Rollenspiel zur Verfügung. Die Beweggründe zum Mitmachen sind vielfältig. Eine Dame, die eher introvertiert ist, wollte gerne mehr aus sich herausgehen und offener auf Leute zugehen, eine andere wollte sich stärker in der Körpersprache ausdrücken, ein junges Pärchen wollte einen besonderen Abend erleben. "Es ist ein Abend, an dem die Leute selbst aktiv werden als Darsteller, kein Abend, bei dem man nur zuschaut", beschreibt es Akman. Auf jeden Fall könne man durch das Improvisationstheater viel für Alltagssituationen lernen und manches im Leben aus neuem Blickwinkel betrachten. Interessierte können auch ohne Anmeldung kommen.

Termine: Das Improvisationstheater zum Mitmachen im Theater am Mühlenrain findet am 17. und 24. April sowie am 15., 22. und 29. Mai, jeweils um 19 Uhr, statt. Weitere Infos gibt es unter Tel. 07621/ 793400 oder 0172/7682881.

Autor: Roswitha Frey