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08. Februar 2012
Nicht nur Leitungen frieren ein
Auch Teile des öffentlichen Lebens liegen auf Eis / Hochkonjunktur für Installateure.
WEIL AM RHEIN. Erst ließ der Winter lange auf sich warten, dann hat er richtig zugeschlagen: Seit Tagen sind nicht nur etliche Wasserleitungen in der Stadt, sondern auch Teile des öffentlichen Lebens regelrecht eingefroren.
Die großen Baustellen zum Beispiel liegen im wahrsten Sinne des Wortes auf Eis. Das gilt für die Zollfreie Straße ebenso wie für die Friedlinger Tram oder das Laguna. "Bei uns wird sehr viel Beton verarbeitet, und der bindet bei diesen Temperaturen nicht mehr richtig ab", erläutert Projektleiter Rainer Ganz den Stillstand an der Zollfreien. Zwar könne man mit großem Aufwand auch jetzt dort arbeiten, aber das sei der Qualität abträglich. Seit Donnerstag ist die Baustelle daher eingestellt, und Ganz rechnet in dieser Woche nicht mehr damit, dass es weitergeht. "Das ist aber bislang die erste außerplanmäßige Unterbrechung und eine Woche ist schnell wieder aufzuholen", ergänzt der Projektleiter.Ganz ähnlich sieht es beim Umbau von Frei- und Hallenbad aus. "Das Laguna ist frostsicher verpackt", scherzt Geschäftsführer Holger Schumacher. Die Arbeiten wurden stückweise eingestellt, zuletzt waren es nur noch Untersuchungen und vorbereitende Arbeiten. Schumacher sähe es gern, dass die Eiseskälte die Menschen in Scharen in seine Saunalandschaft treiben würde, doch offenbar fürchten viele Autofahrer glatte Straßen. Immerhin: "Mit knapp 7000 Besuchern war der Januar der beste Monat dieses Winters." Einer, der sich über die polaren Temperaturen freuen kann, ist Holger Seidenglanz, der Geschäftsführer der Mineralölhandel Weil GmbH. "Unsere vier Fahrzeuge sind ununterbrochen im Einsatz", sagt er. Angesichts des anhaltend hohen Preisniveaus haben es offenbar viele Hausbesitzer versäumt, schon im Sommer oder Herbst ihre Tanks zu füllen, was sie jetzt nachholen müssen. Allerdings, so Seidenglanz, kaufen die meisten jetzt eher kleinere Mengen und hoffen, damit über den Winter zu kommen.
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Wenn die Heizung nicht mehr läuft, dann muss der Installateur ran – und diese Berufsgruppe ist in diesen Tagen voll im Stress. "Momentan fallen reihenweise Heizungen aus", heißt es etwa bei der Firma Frey im Rennemattenweg, "und seit gestern kommen immer mehr eingefrorene Leitungen hinzu." Herbert Bee, wenige Meter entfernt im Entenschwumm, kann dies nur bestätigen: "Der Letzte hat gerade vor zwei Minuten angerufen." Ständig sind die Installateure im Einsatz, um mit Spezialgeräten Leitungen vorsichtig aufzutauen.
Dennoch platzt zurzeit so manches Rohr, und dann muss oftmals die Feuerwehr ran, um Wasser zu beseitigen. "Wir hatten schon eine Handvoll Einsätze", berichtet Stadtbrandmeister Klaus Gempp. Er rät daher allen Hausbesitzern zu überlegen, wo in ihren Gebäuden Rohre mit stehendem Wasser verlaufen, und diese Räume zu heizen. Gempp: "Solange das Wasser fließt, kann nichts passieren." Das gilt auch für eventuelle Löscheinsätze. "Gefährlich wird es aber, wenn das Löschwasser gefriert und die Feuerwehrmänner ausrutschen könnten", sagt der Stadtbrandmeister. Doch auch dafür ist die Wehr gerüstet: Bei Wintereinsätzen ist immer Streusalz dabei
Auf Eis liegt auch das Leben im Dreiländergarten, wo zurzeit kaum Spaziergänger unterwegs sind. An den Wassergärten warnen Schilder vor dem Betreten der Eisfläche – mit Recht, denn trotz des Dauerfrosts trägt das Eis noch nicht!
Autor: Jochen Fillisch
