Offenes Theaterprojekt für Jugendliche

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Mi, 12. September 2018

Weil am Rhein

Katholische Kirchengemeinde bietet jungen Menschen spielerischen Rahmen, um über Glaube, Werte und Leben zu reflektieren.

WEIL AM RHEIN-HALTINGEN (hf). "Wir wollen etwas für junge Menschen anbieten, das fernab von dem ist, was man klassischer Weise von Kirche erwartet", sagt Dekan und Pfarrer Gerd Möller mit Blick auf ein ganz besonderes Projekt, das im Oktober im Kolpinghaus hinter der katholischen Kirche Sankt Maria in Haltingen über die Bühne gehen soll. Unter Anleitung der angehenden Theaterpädagogin Sarah Futterer und ihrer Kollegin Lena Lauter sollen sich die Teilnehmer dabei mit den Begriffen Glaube, Werte und Leben auseinandersetzen.

"Der Ansatz ist ein völlig offener", erläuterte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Sigrid Fuchs am Dienstag im Rahmen einer Medienorientierung. Sie trug sich schon länger mit dem Gedanken, Theaterarbeit, die ihr früher selbst viel Freude bereitet hat, in das Angebot der Gemeinde zu integrieren. "Die Kontakte zu Sarah Futterer wirkten dabei zusätzlich inspirierend", ergänzte Fuchs.

Im Vorfeld hat man sich intensiv Gedanken über den Rahmen gemacht. "Dass jemand von außen, der nicht der Gemeinde angehört, das Projekt leitet, bringt ebenso neue Impulse wie der Verzicht auf eine vorgegebene inhaltliche Handlung", schilderte Gerd Möller. Denn das Projekt soll das Gewohnte, etwa das Nachspielen einer biblischen Geschichte, eben hinter sich lassen.

Mitmachen können Jugendliche und junge Erwachsene von 14 Jahren an (nach oben gibt es keine Altersgrenze), ganz unabhängig von Glaube und Konfession. Möller würde es begrüßen, wenn durch dieses Vorhaben ein interkultureller Dialog zustande kommen würde. Er ist überzeugt davon, "dass sich junge Leute in diesem Alter mit Begriffen wie Glaube, Werte und Leben durchaus auseinandersetzen". Aber eben auf ihre Weise, in ihrer Sprache und ihrer eigenen Form. Und genau diesen persönlichen Zugang will Theaterpädagogin Sarah Futterer fördern: "Die Jugendlichen sollen sich selbst ausdrücken, die Szenen selbst entwickeln", sagt sie. Dass in der Kürze der Zeit ein fortlaufendes Stück mit stringenter Handlung und charakterlich ausgearbeiteten Figuren zustande kommen wird, ist dabei eher unwahrscheinlich. Vielmehr geht Sarah Futterer davon aus, dass am Sonntag, 21. Oktober, um 17 Uhr im Kolpinghaus eine Collage aufgeführt wird.

Das Projekt startet am 1., 8. und 15. Oktober jeweils von 18 bis 20.30 Uhr mit drei Proben im Kolpinghaus; an diese schließt sich ein intensives Workshopwochenende vom 19. bis zum 21. Oktober, ebenfalls im Haltinger Gemeindezentrum, an, gekrönt von der wahrscheinlich öffentlichen Aufführung. Bewusst habe man diese kompakte Form gewählt, weil sich auch Jugendliche erfahrungsgemäß eher über kürzere Zeiträume an eine Sache binden lassen, so Möller. "Sollten die jungen Leute danach aber Lust verspüren, weiterzumachen, rennen sie bei uns offene Türen ein", versicherte Sigrid Fuchs.

Spielfreude zu wecken und in gewisser Weise die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Leidenschaft für das Theater zu infizieren, ist eine weitere Intention, die Sarah Futterer mit dem Projekt verfolgt. Sie selbst steht seit ihren Kindertagen auf Theaterbühnen, unter anderem sammelte sie Erfahrungen bei Tempus fugit. Derzeit absolviert die studierte Germanistin und Islamwissenschaftlerin, die in Haltingen wohnt, in Freiburg eine Ausbildung zur Theaterpädagogin, in die das Haltinger Projekt integriert ist. Übrigens: Jugendliche aus Haltingen im Alter von 15 und 16 Jahren können sich ihre Mitarbeit als Teil der Firmvorbereitung anrechnen lassen.

Nicht zuletzt hält Gerd Möller eine solch spielerische, aber eben doch reflektierende Auseinandersetzung mit dem, was Menschen im Leben leiten sollte, für politisch wichtig: "Denn wir befinden uns auch in Deutschland an einer Schwelle, an der die Gesellschaft von den demokratischen Grundlagen des Zusammenlebens abzudriften droht".

Anmelden können sich Jugendliche und junge Erwachsene von 14 Jahren an ab sofort per Mail an sarah_futterer@gmx.de. Die Teilnahmegebühr beträgt 20 Euro, wobei eine Teilnahme am Finanziellen nicht scheitern soll. Weitere Infos finden sich im Netz auf der Seite http://www.kath-weil.de/theaterprojekt