Pantoffelheld und Träumerin

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 27. Juli 2017

Weil am Rhein

Klaus-Peter Klein und Emine Akman zeigen in Ehekracher Szenen einer stürmischen Beziehung.

WEIL AM RHEIN. Pantoffelheld trifft Hausdrachen: In der Komödie Ehekracher, die am Samstag im Theater am Mühlenrain für viele Lacher sorgte, nehmen Klaus-Peter Klein und Emine Akman die Marotten und Eigenheiten eines Ehepaares aufs Korn.

Für die Zuschauer war es ein großes Vergnügen, den neuen Tam-Chef wieder einmal als hinreißenden Komödianten auf der Bühne zu erleben, noch dazu zusammen mit der Vollblutschauspielerin Emine Akman, die auch Regie geführt hat. In dem Stück von Johannes Galli geht es um ein liebenswertes Pärchen, das sich nach 25 Jahren Ehe ganz schön auf die Nerven geht, sich zankt und wieder versöhnt.

Die Szenen einer Ehe, die Klein und Akman mit umwerfender Mimik und Dialogwitz vorführten, sind so richtig aus dem Alltag gegriffen. Zuerst kommt Klaus-Peter Klein als Willi müde von der Arbeit heim, wirft Hemd, Hose und Socken auf den Boden, macht es sich im Schlabberlook auf der Couch bequem und zappt durchs Fernsehprogramm. Typisch alemannischer Gemütsmensch will er einfach nur ein Bier, Fußball und seine Ruhe. "Wilma, hol’ mir mal ein Bier", mault der grummelige Couchhocker. Doch da hat der häusliche Macho die Rechnung ohne seine Frau gemacht.

Emine Akman will als Wilma ihren müden Willi munter machen und mehr Leidenschaft ins eingeschlafene Liebesleben bringen. Dass sich das schwierig gestaltet, macht den Reiz der flotten Komödie aus. Temperamentvoll, wandlungsfähig und mit vielsagender Mimik gibt Akman die Wilma. Erst einmal schält sie sich aus dem engen Kleid und hockt sich in bequemer Kittelschürze neben ihren brummeligen Gatten. Sehnsüchtig guckt sie sich schöne Männer im Fernsehen an und träumt von Hollywoodstar Richard Gere, während sie ihrem Willi scharfe Blicke zuwirft. Pointiert und entlarvend spielen die Darsteller dieses Pärchen, das vom ehelichen Einerlei und den Macken des Partners gefrustet ist.

Doch Wilma hat es satt und will die Probleme ausdiskutieren. Die Zwei holen ihr "Streitbuch" hervor und greifen Themen heraus, über die sie sich ständig in die Haare kriegen: Urlaub zum Beispiel. Sie will nach Kreta, er nach Mallorca. Also versucht jeder, den anderen von seinem Traumziel zu überzeugen. Klaus-Peter Klein legt eine heiße Nummer als Flamencotänzer hin, bis es im Rücken zwickt, Emine Akman revanchiert sich mit einer verführerischen Traumszene im Hotel.

Einmal in Streitlaune, geht es zwischen den beiden hoch her mit bissigen Dialogen und Retourkutschen, auch mit anspielungsreichen Witzen über Frauen und Männer. Irgendwann wirft die frustrierte Wilma ihrem Willi vor, eine Andere zu haben, und startet einen Verführungsversuch, um das monotone Eheleben aufzupeppen. Im rötlichen Licht taucht sie als verruchtes Vollweib wieder auf, mit Federboa und laszivem Tanz, doch Willi lässt sich nur zu dem wenig schmeichelhaften Kommentar hinreißen: "Wie siehsch du denn us?"

Um eine Lösung für das Ehedilemma zu finden, greifen die beiden schließlich zu Keulen und werfen sich alles an den Kopf, was sie am anderen stört: das verkochte Essen, das Grunzen hinter der Zeitung, das stundenlange Warten vor dem Frisör. Nach dem befreienden Ehekrach raufen sich der Pantoffelheld und seine bessere Hälfte wieder zusammen und sitzen wie frisch verliebt auf dem Sofa.

Dass die Chemie stimmt zwischen Klein und seiner Bühnenpartnerin und die beiden in bester Spiellaune harmonieren, macht diese Komödie, aus der Paare viel lernen können, so unterhaltsam. Beim kräftigen Schlussapplaus betonte Klaus-Peter Klein schmunzelnd, dass er im richtigen Leben nicht so sei. Im Oktober soll der Ehekracher noch einmal auf den Spielplan kommen.