Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

17. Dezember 2011

Religiöse Konflikte in der Heimat führten den Sikh nach Deutschland

Jatinder Singh Sandhu lebt seit sieben Jahren in Deutschland, wo er bei der Gärtnerei Hoch-Reinhard in Fischingen arbeitet und mit seiner Familie in Friedlingen wohnt.

  1. Jatinder Singh Sandhu gefällt seine Arbeit bei der Bioland-Gärtnerei Hoch-Reinhard in Fischingen. Foto: Annika Erismann

FISCHINGEN (eran). Über 8 000 Kilometer liegen zwischen der Heimatstadt von Jatinder Singh Sandhu im indischen Punjab und Fischingen, wo er seit sechs Jahren bei der Hoch-Reinhard Bioland-Gärtnerei arbeitet. Er ist gläubiger Sikh, und hatte sich aufgrund der langjährigen religiösen Konflikte in seinem Heimatland entschieden, nach Deutschland zu kommen.

Zwischen den Sikhs, einer religiösen Minderheit in Indien, und der indischen Regierung hatten sich 1984 mehrere schwere Konflikte zugetragen, bei denen unter anderem die heiligste Stätte der Sikhs angegriffen wurde. Als Reaktion darauf wurde Ministerpräsidentin Indira Ghandi ermordet, wie viele auch hierzulande sich noch erinnern. Jatinder Singh Sandhus Freund und Vorarbeiter bei Hoch-Reinhard, auch ein Sikh, verlor bei dem Angriff auf den Goldenen Tempel zwei Brüder. Jatinder Singh Sandhu spricht von schweren Zeiten für die Sikhs und davon, er glaubt, dass Indien schon immer ein Problem mit Minderheiten gehabt habe.

Aufgrund dieser Probleme flüchtete er vor sieben Jahren nach Deutschland, wo er 2004 Asyl beantragte, was ihm 2005 auch gewährt wurde. In Indien war er seitdem nicht mehr, auch nicht für einen Besuch. Dies sei anfangs schon sehr schwer gewesen, erzählt er, er habe sich jedoch gut eingelebt, und es gefalle ihm hier auch. Er habe sich nach einiger Zeit daran "gewöhnt", dass er seine Familie nicht sehen und besuchen kann.

Werbung


Da Jatinder Singh Sandhu, der "Jeet" genannt wird, wusste, dass in der Gärtnerei in Fischingen andere Sikhs arbeiten, war es für ihn naheliegend, sich dort auch um eine Stelle zu bewerben. Nun arbeitet er seit sechs Jahren in Fischingen, wo er alle möglichen Arbeiten erledigt und sich auch sehr wohl fühlt. Mit seiner Frau und seiner vier Jahre alten Tochter lebt Jatinder Singh Sandhu in Weil-Friedlingen. Dass er praktizierender Sikh ist, kann man auch an seinem kunstvoll gebundenen Turban, genannt Dastar, erkennen, den er trägt. Da der nächste deutsche Sikh-Tempel in Mannheim und damit recht weit entfernt liegt, fährt er an den Wochenenden oft in die Schweiz in die Nähe von Olten, wo es einen nähergelegenen Sikh-Tempel gibt.

Die Religion ist im Leben des gläubigen Sikhs wichtig, und auch seiner Tochter möchte er die Religion nahebringen, sobald sie alt genug dafür ist. Jedoch ist ihm auch klar, dass seine Tochter automatisch in zwei verschiedenen Kulturen aufwächst. Das findet er gut, er möchte nur, dass sich seine Tochter bewusst ist, woher ihre Eltern kommen und welche Probleme sie nach Deutschland brachten.

Autor: eran