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10. Februar 2012
Spuren belegen: Opfer mehr als 30 Meter mitgeschleift
Gutachten, Polizei- und Zeugenaussagen standen am fünften Verhandlungstag des Prozesses gegen eine 74-Jährige im Mittelpunkt.
WEIL AM RHEIN (tm). Das verkehrstechnische Gutachten und die Aussage des Polizisten, der die Spuren gesichert hat, standen im Mittelpunkt des fünften Verhandlungstags vor einem Schöffengericht am Lörracher Amtsgericht. Hier muss sich eine 74-jährige Frau verantworten, die im Sommer 2009 einen Mann überfahren und lebensgefährlich verletzt hat.
Gut 15 Meter nach der Ausfahrt von dem Parkplatz, wo die Angeklagte ihr Auto abgestellt und an dessen Ausfahrt sie den Geschädigten angefahren und auf die Motorhaube aufgeladen hat, beginnen 15,8 Meter lange, unterbrochene rote Spuren auf der Turmstraße, berichtete der Polizeibeamte. Diese stammen von den Absätzen der roten Radlerschuhe des Geschädigten, und die Spuren sprechen dafür, dass er tatsächlich mit dem Rücken zur Fahrerin auf der Motorhaube saß und mit den Füßen am Boden entlang schlitterte, wie der technische Gutachter Volker Stober meinte. Auch leichte Kratzspuren auf der Motorhaube sprechen dafür. Die Frage, ob der Mann hier noch hätte von der Motorhaube des fahrenden Autos entkommen können, verneinte der Sachverständige. Wäre er nach vorne abgestiegen, wäre er überrollt worden, und ein seitliches Abrollen sei unrealistisch. So etwas müsste man trainieren.
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Nach den roten Spuren lagen Telefon, Armbanduhr und Nahrungsriegel des Geschädigten auf der Fahrbahn. Hier ist er offenbar vom Auto gestürzt. Dass er vor dem Auto zum Liegen kam, spreche dafür, dass das Auto zu diesem Zeitpunkt seine Geschwindigkeit verringert habe, wie es auch Zeugen beschrieben hatten. Das Auto fuhr dann jedoch weiter, über den Mann und schleifte ihn unter dem Fahrzeug mit. Davon zeugten zwei parallel verlaufende, über 30 Meter lange Spuren. Danach gab es auf wenigen Metern keine Spuren, dann folgt auf 6,40 Metern Länge ein massiver Abrieb von der Radlerhose des Mannes, berichtete der Polizist. Spuren gab es auch unten am Auto der Angeklagten, das nach dem Vorfall beschlagnahmt worden war. Am Ende hatten Zeugen beobachtet, wie das Auto gewackelt hat. Das könne entweder daher kommen, dass der Mann mit einem Reifen überfahren wurde oder dass sich der Körper unter dem Auto gedreht hat, sagte der Sachverständige. Die Fahrerin hätte den Mann auf der Motorhaube sitzen sehen müssen, sie hätte schlussfolgern müssen, dass er vor dem Auto lag, als er plötzlich verschwunden war, und sie hätte Anstoßgeräusche am Unterboden und das Wackeln des Autos wahrnehmen müssen, sagte er.
Ein Polizist, der sofort nach dem Vorfall zur Adresse der Angeklagten fuhr, traf sie dort an, wie sie gerade aus dem Auto in die Wohnung ging, um die Torte, die sie in Weil gekauft hatte, hineinzubringen. "Ich habe niemanden überfahren", habe sie gesagt, berichtete der Beamte. Allerdings machte sie auf ihn einen stark verwirrten Eindruck. Diesen machte sie auf den Beamten, der sie im Weiler Revier, wohin sie gebracht wurde, vernahm, nicht. Sie sei ihm "fast übernatürlich ruhig" vorgekommen, sagte er. Während sie den ersten Unfall, den sie mit dem Radfahrer hatte, ruhig wiedergab, machte sie zum zweiten keine Angaben. Als der Beamte fragte, ob sie nicht gemerkt habe, dass sie einen Menschen überfahren hat, habe sie gefragt, ob das vor oder nach dem ersten Unfall gewesen sei. Der Prozess wird Ende Februar fortgesetzt.
Autor: tm
