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16. Juli 2017 19:39 Uhr

Metalfestival

Südbadens Metal-Fans rocken bei "Baden in Blut"

Fans aus dem Dreiländereck: "Baden in Blut" lockt Metal-Fans aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz nach Weil am Rhein. Trotz der Lärmauflagen punktet das Festival mit Bands und Stimmung.

  1. Für kleine Fans war ein Ohrenschutz bei „Baden in Blut“ durchaus sinnvoll. Foto: Nicolai Kapitz

  2. Der Bassist der Death Angel Foto: Nicolai Kapitz

  3. Die Bands hatten was drauf. Foto: Nicolai Kapitz

Irgendwann am Nachmittag – "Heidevolk" ließen gerade die Bühne beben – brach sich tatsächlich ein Headbanger blutüberströmt Bahn in Richtung Sanitäterzelt. Im Moshpit vor der Bühne war er versehentlich mit einem Kumpel zusammengedonnert. Es war die einzige Szene, bei der der Festivaltitel "Baden in Blut" wörtlich zu nehmen war. Ansonsten badeten die Fans am Samstag in ihren Passionen: Kühles Bier, harter Metal.

Kühles Bier, harter Metal

Und das alles bei tollem Wetter und mit Bands, die den Funken überspringen ließen. Da fiel auch der lustlose Auftritt der Metalcore-Headliner von Caliban am Ende des Festivals mit neun Bands kaum ins Gewicht. Sei’s drum, das Gastspiel der nordrhein-westfälischen Branchengröße war trotzdem ein würdiges Ende eines großartigen Festivals. Denn was zuvor auf der Bühne im Weiler Dreiländergarten und darum herum abging, dürfen die "Metal Maniacs Markgräflerland" getrost als weitere Evolution des "Baden in Blut" sehen.

Angefangen hatte das Spektakel um kurz nach 12 Uhr. Firtan hieß die erste Band, die vier Jungs aus Lörrach hatten die Ehre, das Festival zu eröffnen. Mit annähernd der vollen Leistung der Anlage bretterten sie los und hatten alsbald eine Schar von Mähnenschüttlern vor der Bühne versammelt. Die konnten gleich stehen bleiben, denn nicht lange und Revel in Flesh gaben ihr Gastspiel in Südbaden.

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Lautstärkeauflage führt zu keinem Stimmungsabbruch

Melodic-Death-Metal made in Schwaben war angesagt und zur tiefen Stimme von Front-Grunzer Ralf Hauber drehten sich erneut die Mähnen im Kreis. Dann schlug die Stunde von "Harakiri for the Sky" aus Österreich. Das Festival war zu dem Zeitpunkt mit 1500 Besuchern so gut wie ausverkauft und so sammelten sich immer mehr Fans – oft in Schwarz und mit langen Haaren – vor der Bühne im grünen Weiler Dreiländergarten. Die Verantwortlichen regelten bereits hier die Lautstärke ein wenig herunter. Aber auch das tat der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil.

Staunend glotzte die Menge Richtung Bühne, als Mantar dort losdröhnten. Es sind nur zwei Musiker – Erinc an den Drums und Hanno mit der tiefer gestimmten Stromgitarre – aber das Getöse könnte von zehn stammen. Eine große Fangemeinde versammelten dann Heidevolk vor der Bühne, fast meinte man, die Holländer hätten ihren ganzen Keltenstamm mitgebracht. Eine Mixtur aus Mittelalter und gallischem Dorf tobte da über die Bühne.

"Baden in Blut" mit Strahlkraft

Die Texte der Folk-Metal-Truppe sind auf Niederländisch und verleihen dem Sound zusätzlich ein wenig mystisches Flair. Mit dem Gastspiel der Holländer erfüllte sich ein lang gehegter Wunsch: Bereits vor neun Jahren sollten sie beim Festival auftreten, was ein Trauerfall verhindert hatte. Nun klappte es. Spätestens hier zeigte sich, dass "Baden in Blut" an Strahlkraft und Größe dazugewonnen hat. Denn mit Heidevolk und dem folgenden brasilianischen Thrash- und Death-Metal-Monster Krisiun war die Grenze vom provinziellen zum internationalen Festival überschritten.

"Moonspell" dürften dafür ein Paradebeispiel sein. Die Band aus Portugal sind in der Szene seit Mitte der 90er-Jahre Superstars und haben schon jede der großen Festival-Bühnen wie in Wacken oder beim "Summer Breeze" bespielt, nun also auch die im Dreiländergarten. Der charismatische Sänger Fernando Ribeiro – er mischt tiefen Mönchsgesang mit animalischen Brüllattacken – grinste sich hin und wieder eins, wenn die Fans auf der rappelvollen Festival-Wiese im Takt mitgingen und die Texte mitsangen, zum Beispiel bei "Mephisto" oder dem grandiosen, epischen Finale "Full Moon Madness".

Dann kannte die Begeisterung der Fans bei Death Angel keine Grenzen mehr. Die kalifornische Thrash-Metal-Legende beim "Baden in Blut" – das darf man als kleine Sensation im schon als Metal-Niemandsland bezeichneten Südbaden einordnen. Die fünf Männer um Sänger Mark Osegueda zeigten, warum sie oft in einem Atemzug mit Riesen wie Metallica oder Slayer genannt werden. Als dann Caliban erschienen, war ein wenig die Luft raus.

Frontmann Andreas Dörner reagierte eingeschnappt darauf, dass die rund 600 Fans, die sich die deutsche Metal-Core-Legende noch anhören wollten, keine Tanz- und Headbang-Einlagen mehr zeigen wollten. "Die Security hat ja kaum was zu tun", meinte er sarkastisch. Lange nachdem der letzte Akkord verklungen war, saßen aber noch Fans im Biergarten und feierten. Der Stellenwert des Festivals ist mit dieser Ausgabe sicher nicht gesunken.

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Autor: Nicolai Kapitz