Wo an einem Rebstock rote und weiße Trauben reifen

Hannes Lauber

Von Hannes Lauber

Do, 13. September 2018

Weil am Rhein

Dieter Rösch kann seine Reben ohne Ertragseinbuße umveredeln.

WEIL AM RHEIN (nn). Mit einer im hiesigen Weinbau noch weithin unbekannten Methode hat der Ötlinger Winzer Dieter Rösch einige seiner Reben umveredelt. Wo bislang rote Gutedel wuchsen, wird er künftig Johanniter ernten. Solche Umveredelungen gab es zwar bisher auch schon, dabei musste man aber ein Jahr auf Erträge verzichten. Das Besondere bei Röschs Methode: Es gibt keine Einbuße mehr, trotz Veredelung kann die alte Rebe noch voll genutzt werden.

Das führt nun zu der skurrilen Situation, dass an manchen von Röschs Rebstöcken rote Gutedel- und weiße Johanniter- Trauben zugleich wachsen. Nach der alten Methode wird bei der Umveredelung im Frühjahr an einem Austrieb die neue Rebe aufgepfropft, alle anderen Triebe müssen weichen, um der Rebe keine Kraft zu rauben, die sie für das Anwachsen des Pfröpflings braucht. Ernten kann man deshalb in diesem Jahr nichts.

Rösch hat die Veredelung bei einem Lehrgang in der Schweiz gelernt. Selbst entwickelt hat er dann aber die Vorgehensweise, bei der die Rebe weiter austreiben und so den gewohnten Ertrag bringen kann. Damit der veredelte Trieb dennoch anwachse und gut gedeihe, müsse man eine bestimmte Technik beherrschen, "aber die verroot i nüt", ließ Rösch die interessierten Teilnehmer des Rundgangs am Dienstag wissen.

Dass das von ihm praktizierte Verfahren unter Weinzähnen viel Beachtung findet, hat Rösch dieser Tage selbst schon feststellen können. Ein französischer Winzer aus dem Anbaugebiet des Bordeaux hat den Ötlinger jüngst besucht und ihn nach Bekanntschaft mit seiner Veredelungstechnik zu einer Weinfachveranstaltung in seiner Heimat eingeladen, um dort einen Vortrag über seine Anbaumethoden zu halten.

Rösch wird nun also Ende Mai nach St. Emilion reisen, das 40 Kilometer von Bordeaux entfernt liegt und dessen Weinbaugebiet zu den bekanntesten Lagen für Bordeaux-Weine gehört und seit 1999 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde.