Helen Groberts Coup

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Mo, 12. März 2018

Mountainbike

Remetschwielerin bei Weltcup-Auftakt der Mountainbiker in Südafrika als Vierte mit bestem Karriere-Resultat / Spitz zufriedene Achte .

MOUNTAINBIKE. Es waren Wolken am Himmel, deshalb brannte die Sonne über dem südafrikanischen Stellenbosch nicht so heiß. Dafür waren es hitzige Rennen, die den über 10 000 Zuschauern beim MTB-Weltcup am Coetzenberg-Stadion geboten wurden.

Dazu gehörte auch der Zielsprint, den sich Helen Grobert mit Weltmeisterin Jolanda Neff (Schweiz) und deren Teamkollegin Maja Wloszczowska (Polen) lieferte. Es ging um Platz vier, fünf und sechs und damit um die beiden verbleibenden Plätze auf dem Weltcup-Podium ging.

Die Remetschwielerin schaffte es tatsächlich aus dem Windschatten sich gegen die beiden Arrivierten durchzusetzen und den vierten Platz zu erobern. 1:15 Minuten hinter Siegerin Annika Langvad (1:23:08) aus Dänemark landete Grobert, und damit übertraf sie schon früh in der Saison ihr bislang bestes Karriere-Resultat – den fünften Rang von Lenzerheide aus dem vergangenen Jahr.

"Ich wusste, dass ich sprinten kann. Aber dass ich Vierte werde, daran hätte ich eine Runde zuvor noch nicht geglaubt", berichtete eine sichtlich bewegte Helen Grobert. Für ihren Coup zauberte sie die schnellste letzte Runde in den 4,3 Kilometer langen Kurs. Sie sei "extrem glücklich".

Im Gegensatz zu Sabine Spitz hatte Helen Grobert einen sehr guten Start erwischt, doch die 25-Jährige zog es vor, ihr Tempo gleich zu drosseln. "Ich habe versucht, nur auf mich selbst zu hören, ich wollte nicht eingehen", erklärte sie.

Sabine Spitz hatte keinen guten Start, was ein wenig dem Umstand geschuldet war, dass ihr durch das Training mit dem Fokus auf das Etappenrennen Cape Epic die Spritzigkeit fehlt. Dazu kam, dass in Runde eins eine Fahrerin vor ihr absteigen musste. "Ich habe da vielleicht zu wenig aggressiv meine Position verteidigt und Plätze verloren. Andererseits dachte ich auch, das Rennen ist kräftezehrend", sagte die Olympiasiegerin aus Niederhof. So habe sie "versucht smart zu fahren, mit schöner Kadenz. Das hat sich am Ende auch ausgezahlt".

Auf ihrem Weg nach vorne und Groberts Weg nach hinten begegneten sie sich in der dritten Runde an 13. Position. Grobert heftete sich ans Hinterrad der erfahrenen südbadischen Landsfrau und gemeinsam kurbelten sie langsam aber sicher nach vorne. "Sabine hatte einen guten Rhythmus", bestätigte Grobert. Die Zweckgemeinschaft hielt bis zur vorletzten Runde. Die letzten zwei, so hatte Grobert vorher ihre Strategie offengelegt, wollte sie nutzen, um Positionen gutzumachen. "Daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Ich habe nur gemerkt: zwei Runden, jetzt kannst du nicht mehr eingehen", sagte die Deutsche Vize-Meisterin.

Als das Duo gemeinsam die Schweizerin Alessandra Keller auf Position sieben erreicht hatte, ging Grobert vor einer Trail-Passage an Spitz und Keller vorbei und zog weg. Und was folgte, war furios. Als Siebte ging sie in die letzte Runde, 15 Sekunden hinter Maja Wloszczowska und 24 Sekunden hinter der Kanadierin Catharine Pendrel, sowie Jolanda Neff. Während Pendrel zurückfiel, schloss Grobert zu den beiden auf. An einer kurzen, steilen Rampe versuchte sie anzugreifen. "Das war ganz schön brenzlig. Ich habe dann zurückgezogen, damit wir nicht alle drei stürzen", berichtete sie atemlos. Es ging noch mal alles gut und es kam zum Ziel-Sprint.

Sabine Spitz sprintete auch – um Rang acht (+2:43) und gegen keine Geringere als die ehemalige Eliminator-Weltmeisterin Linda Indergand aus der Schweiz. Und sie gewann. Mit einem verschmitzten Lächeln bilanzierte die 46-Jährige: "Ich bin sehr zufrieden. Die andere Vorbereitung mit viel Kraft-Ausdauer ist mir letztlich entgegengekommen. Aber gegen Linda einen Sprint zu gewinnen, das hat man nicht alle Tage."