Teningen

Weinfest mit Lichterketten und Panoramablick

Aribert Rüssel

Von Aribert Rüssel

So, 13. August 2017 um 13:32 Uhr

Teningen

Weinfeste gib’s viele in der Region, das auf dem Hungerberg in Teningen-Köndringen zeichnet sich durch den Panoramablick aus – der sich am besten genießen lässt, wenn man ihn sich erwandert hat. Bis Montag ist Gelegenheit dazu.

Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, mit einer ehemaligen Weinkönigin und Prinzessin und zwei Kennern der regionalen Weinszene eine Weinwanderung zumachen? In Köndringen geht das alle zwei Jahre, wenn der Förderverein Wein und Kultur wieder zu einem der schönsten Weinfeste im Breisgau, inmitten der Reben auf den Hungerberg einlädt. Bereits zum elften Mal veranstaltet, kamen 140 Teilnehmer ans Winzerhüs um an der Weinexkursion teilzunehmen. Für viele ist es eine schöne Gelegenheit, die Erzeugnisse vor Ort zu probieren und etwas über die Arbeit der Winzer und der Region zu erfahren.

Die schöne Aussicht erwandert man sich am besten

Zwar mussten sie sich nach einigem Auf und Ab auf dem zirka fünf Kilometer langen Weinwanderrundweg erst einmal die guten Aussichten erarbeiten, doch sie wurden bei verhältnismäßiger guter Sicht mit herrlichen Panoramablicken belohnt. Dabei wurde einem bewusst, in welch einer schönen Region man lebt und welch genussvolle Weine die über Jahrhunderte gepflegte Kulturlandschaft zu bieten hat.

Da wäre zunächst einmal die Kostprobe des Köndringer Winzersektes zu erwähnen, die jeder Teilnehmer zum Empfang am Winzerhüs eingeschenkt bekam, bevor es bergauf in die Reben ging und an der ersten Station bei den Grauburgunder Reben ein erster Schluck dieser Sorte probiert wurde. Ein Grauburgunder Kabinett 2015, ausgezeichnet mit einer Goldmedaille, ließ die Gaumen gleich zum Auftakt jubeln. Abwechselnd stellten die beiden ehemaligen Weinhoheiten, die Badische Weinkönigin Isabella Vetter und Lena Grodel, sechs der 16 Weinsorten vor, die die Winzer der Köndringer Winzergenossenschaft auf einer Gesamtfläche von 102 Hektar pflegen. Damit ist die Köndringer die größte Genossenschaft im Breisgau.

Der Ausbau der Weine erfolgt beim Badischen Winzerkeller in Breisach. Dass nicht nur die Köndringer Winzer ihr Handwerk verstehen, sondern auch die Kellermeister, war bei den weiteren Proben – Müller Thurgau, Weißburgunder, Muskateller, Spätburgunder Rotwein und Weißer Burgunder – geschmacklich zu erkennen. Es handelte sich stets um Kabinettweine, von spritzig erfrischend bis lieblich schmeichelnd, wie der Muskateller. Allerhöchster Genuss war garantiert. Hier zeigte sich, dass sich die Bemühungen der Köndringer Winzer, qualitativ hochwertige Weine zu erzeugen, Lohn in der hohen Wertschätzung der Weinliebhaber findet.

Sagte Bürgermeister Hagenacker noch 2015 bei der Eröffnung: "Wir haben heute eine Familie aus Sibirien zu Gast, viel weiter her geht es nicht mehr", so wurde er diesmal eines besseren belehrt: Unter den Besuchern des Hungerbergfestes waren auch brasilianischen Gäste, die aufgrund einer Einladung der Winzerkapelle Köndringen zum Gegenbesuch gekommen waren. Für sie war das ein besonderes Ereignis, auch weil es in Brasilien keinen Weinanbau gibt und ihre Großeltern aus der Region stammten. Auch aus Dortmund, Russland, Miami (Florida) waren Gäste dabei.

Nicht nur für sie dürften die Informationen rund um den Weinanbau und die Entstehung der Kulturlandschaft von Interesse gewesen sein, die Edgar Heß, erster Vorsitzender des Förderverein Wein und Kultur, sowie sein Stellvertreter, Altbürgermeister Hermann Jäger, während der Wanderung immer wieder einflochten.

So haben zwar einst die Römer den Wein nach Deutschland gebracht, aber ganz so stimmt das nicht, denn schon 540 vor Christus wurde aus griechischen Weinflaschen und griechischen Trinkschalen Wein genossen. Die Weinerzeugung war da allerdings in Germanien noch nicht bekannt. So waren es dann doch die Römer, die für die Ausbreitung der Rebkultur und Weinerzeugung sorgten. Laut Cäsar standen jedem Legionär pro Tag zwei Liter Wein zur Verfügung. Die Form des Geländes im Gewann Bürgle sowie Grabungsfunde (Knochen und Tonscherben) lassen den Schluss zu, dass dort einmal ein römisches Kastell gestanden hat. Vermutlich haben die Römer an dem sonnigen Hügel mit einer etwa zwölf Meter hohen Lösschicht auch Reben angebaut.

Genuss – und Badische Lebensart

Es gehört zur Philosophie des Festes, nicht nur die Produkte der Köndringer Winzer zu präsentieren, sondern auch das Anbaugebiet, was die Gäste von Mal zu Mal mit steigender Besucherzahl honorieren. Das Wetter spielte mit und so hätte sicherlich auch Bacchus, Gott des Weines, seine Freude an dem fröhlich erstrahlenden Weinberg gehabt. Einfach nur weinselig und unbeschreiblich schön, denn Wein beflügelt, und mit dem Auftritt der "Bächlesörfer" begann das Fest nach und nach wörtlich im vollen Glanz der Lichterketten zu erstrahlen. Im Nu verbreitete sich jene stimmungsvolle gesellige Atmosphäre die man nicht nur dem Wein nachsagt, sondern auch der Badener Lebensart.

Das betrifft auch den Festsonntag der mit einem ökumenischen Gottesdienst begann und beim Frühschoppen musikalisch von der Winzerkapelle umrahmt wurde. Am Nachmittag folgte eine Bulldogparade und der Spielmanns- und Musikzug der Feuerwehr Köndringen sorgte für abwechslungsreiche Unterhaltung, die am Abend von der Band "K2" fortgesetzt wurde. Auch am Montag wird sie wieder für Stimmung sorgen und gegen 21 Uhr sollen die die Gewinner des kostenlosen Preisrätsels bekannt gegeben werden.