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27. Juni 2009
WEINKELLER: Bitte mal ausspülen
Die Frage ist eine immer wiederkehrende: Wird ums Weintrinken manchmal zu viel Theater gemacht? Ich wage mal die Theorie: Selbst wenn es gelegentlich tatsächlich so wirkt, dann liegt das weniger an den Ritualen, mit denen das Trinken vor allem großer Weine oft zelebriert wird und viel mehr an den handelnden Personen. Zudem sind die meisten dieser Rituale das Ergebnis aus über Generationen weitergegebenen Erfahrungen mit dem Genuss von Wein und machen durchaus Sinn. Das gilt auch für das so genannte Avinieren der Gläser. Am besten gibt man dazu einen kleinen Schluck des Weins, den man trinken will (Schwaben und Bobbele nehmen gerne einen einfacheren derselben Sorte) ins Glas, dreht es so, dass der Wein die Wandung überall berührt, und gibt den Schluck dann ins nächste Glas, bis alle Gläser, wie manche auch sagen, weingrün gemacht sind. Im Finale hochwertiger Verkostungen werden über dieses Verfahren mit dem jeweils neuen Wein die Geruchsrückstände des vorhergehenden entfernt. Aber das Avinieren ist auch bei ungebrauchten Gläsern sinnvoll. Selbst ein sauberes Glas muss nämlich nicht unbedingt frei von Gerüchen sein, die den Weingenuss beeinträchtigen können. Und ich rede jetzt nicht von Gläsern, die muffeln, sondern von Gerüchen, die oft kaum wahrnehmbar sind. Sie können von Spülmitteln herrühren, vom Schrank, ja sogar selbst von klarem Wasser, wenn es gechlort oder sehr mineralisch gewesen ist. Nicht umsonst blasen Profis vor dem Einschenken ins Glas und riechen hinein. Aber selbst wenn Sie sich zu denen nicht zählen, finde ich: Mit dem Avinieren das Risiko eines störenden Geruchs auszuschließen, ist zur Feier eines besonderen Tropfens im Glas kein ungebührlicher Aufwand.
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Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Inhaber des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.
Autor: Fritz Keller
