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07. Februar 2009
WEINKELLER: Der aus der Kälte kommt
Ich weiß nicht, ob es mit den anhaltend frostigen Temperaturen zu tun hatte, dass mir in diesen Tagen beim Gang durch die Weinberge das Thema Eiswein in den Sinn kam. Es war ein besonders guter Winter, aufgrund der sehr tiefen Temperaturen, für die Winzer, die genug Geduld und Risikobereitschaft hatten, um Eiswein zu machen. Beides braucht es, weil man im Herbst nicht weiß, ob es den nötigen Frost geben wird, wenn man die Trauben im Winter ernten muss. Dank der kurzfristig sehr präzisen Temperaturvorhersagen der Kachelmanns und Kollegen, müssen Winzer zumindest in der Eiswein-Lesezeit nicht mehr wie früher Nacht für Nacht abwarten, ob – wie vorgeschrieben – über fünf Stunden hinweg mindestens minus sieben Grad Celsius erreicht werden. Nur dann sind die Trauben nämlich beim Keltern so tief gefroren, dass fast kein Wasser in den Most läuft, der damit extrem extraktreich ist und einen sehr hohen Zuckeranteil besitzt. Und das ist die Voraussetzung um diese ausgezeichneten Weine zu erzeugen, die trotz ihrer Süße auch noch ein wunderbares Säurespiel und damit eine Frische besitzen, die deutsche Eisweine zu den großen Süßweinen der Welt gemacht haben. Im eigenen Land gilt der Prophet noch immer zu wenig. Aber für mich persönlich gibt es für kaum etwas Schöneres, als zum Dessert am Ende eines guten Essens oder auch mal als Aperitif einen Eiswein zu genießen. Allemal, wenn er mindestens drei und sehr gerne noch viel mehr Jahre auf dem Buckel hat – und auch wenn Eiswein für mich dennoch der kleinere Bruder der Beerenauslesen bleibt. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema, über das ich Ihnen demnächst mal was erzählen kann, wenn es hoffentlich auch schon ein bisschen wärmer ist.
Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Geschäftsführer des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.
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Autor: Fritz Keller
