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25. Juli 2009

WEINKELLER: Ein Lob der Weinkritik

  1. Foto: bz

Vor gut drei Wochen erklärten 14 deutsche Top-Winzer, dass sie ihre Weine nicht mehr beim Gault Millau bewerten lassen wollen. Aber warum eigentlich? Sah man es tatsächlich als unmoralisches Angebot, dass der Verlag dieses Jahr den Betrieben, die in seinem angesehenen Guide Aufnahme finden, ein Marketingpaket für knapp 200 Euro anbot – inklusive Verwertungsrecht für die Texte, Urkunde, Gault-millau-Türschild und zwei Freiexemplaren? Oder sollten Rechnungen mit Gault-Millau-Herausgeber und -Chefredakteur Armin Diel beglichen werden? Oder war für den einen das und für den anderen jenes ausschlaggebend? Branchenintern polarisierte es nämlich schon lange, dass der Winzer Diel, der das gleichnamige, höchst angesehenen Schlossgut leitet, parallel als scharfzüngiger Kritiker auftrat. Dass er jetzt im Zuge der Affäre alle Tätigkeiten für den Gault Millau aufgekündigt hat, scheint mir übertrieben. Wie auf der anderen Seite auch die Gault-Millau-Verweigerer das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und den Gault Millau ernsthaft in die Bredouille bringen sollten. Weinkritik ist wichtig, selbst wenn sie negativ Betroffene immer schmerzt und man auch den latenten Vorwurf nachvollziehen kann, dass Weine mit Restsüße im Gault Millau besser abschneiden als durchgegorene und ihre Erzeuger. Aber dafür haben eben nicht nur Weinerzeuger, sondern auch Weinführer Konkurrenz. Und man sollte wissen: Große Profite werden im Bereich der Weinkritik keine erzielt, eher im Gegenteil. Schon deshalb sollten Konsumenten und Erzeuger über jeden froh sein, der sie ernsthaft betreibt. Weil sie wertvolle Hinweise geben und selbst wenn wir uns gelegentlich an ihnen reiben, eine lebendige Weinkultur fördern.
Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Inhaber des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.

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Autor: Fritz Keller