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02. Oktober 2009
WEINKELLER: Leicht, aber nicht light
Seit diesem Sommer gibt es die "Tannenzäpfle" von Rothaus auch in einer alkoholfreien Version. Hergestellt wird das Kultbier mit einem hochmodernen, schonenden Unterdruckverfahren. Sein Clou: die Aromen, die man dem Bier zuerst und vor dem Alkohol entzieht, werden später wieder zugeführt. Entwickelt wurde diese Anlage, die es in Europa bis jetzt nur dreimal gibt, in Australien. Dort wird sie auch eingesetzt, um den Alkoholgehalt von Weinen zu reduzieren. Das wird auch bei uns immer öfter diskutiert, obwohl das europäische Weingesetz bis dato noch sehr enge Grenzen setzt und alkoholreduzierte Weine nur einen Alkoholgehalt von maximal vier Prozent aufweisen dürfen. Aber der Light-Trend einerseits und auf der anderen Seite die Zunahme von Weinen, die im Zuge der Klimaerwärmung selbst in hiesigen Anbaugebieten oft schon einen grenzwertigen Alkoholgehalt aufweisen, wird die Debatte um eine Lockerung dieser Vorschriften in Gang halten. In Frankreich hat man zwei Winzern aus dem Languedoc unlängst sogar versuchsweise gestattet, durch Alkohol-Reduzierverfahren neunprozentige Leichtweine zu erzeugen, die sie nun mit bemerkenswertem Erfolg vermarkten. Trotzdem und selbst auf das Risiko als Dickkopf zu gelten: Ich plädiere weiter dafür, zumindest in den nördlichen Weinregionen wie hier bei uns, erst einmal die reichlich vorhandenen, natürlichen Ressourcen zu nutzen, um leichte Weine zu produzieren. Bedeutet: Zuallererst mal weg von der Öchsle-Fixierung beim Lesegut (und damit auf den späteren Alkoholgehalt des Weines) und aus demselben Grund hin zu Rebklonen, die weniger Zucker bilden. Dann können wir hier im Badischen auch ohne technische Hilfsmittel noch lange viele, wunderbar leichte Weine machen.
Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Inhaber des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.
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Autor: Fritz Keller
