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05. September 2009
WEINKELLER: Mit Müller zum Sieg
Fußballsiege kann man keineswegs nur mit Sekt oder gar Champagner feiern. Im Gegenteil, auch wenn der Fußballsport in Deutschland in seiner Anfangszeit eher von Besserverdienenden und in akademischen Kreisen betrieben wurde, schlug er im Lauf seiner Geschichte so tiefe Wurzeln in der Arbeiter- und Handwerkerkultur, dass sein Publikum – auch wenn die Fußball-Faszination längst schichtenübergreifend funktioniert – bis heute eher dem Spektrum der Biertrinker zugerechnet wird. Allemal tief im Westen, wo vor vielen Jahren selbst der Bayer Franz Beckenbauer "das Herz des Fußballs" vermutete. Wahrscheinlich hatte es auch etwas mit dem ersten Freiburger Saisonsieg eben dort im Westen zu tun, dass mir all das durch den Sinn ging, als wir dieser Tage in den Reben waren, um den Stand der Traubenreife zu überprüfen. Es sieht im Finale des bisher ganz wunderbaren Spätsommers in den Reben ja mindestens genauso gut aus wie – gefühlt – im südbadischen Fußball-Universum nach dem Erfolg bei Schalke letzte Woche. Beim Müller-Thurgau beispielsweise haben wir schon 81 Öchsle gemessen und er kann bestimmt noch eine bis zwei Wochen weiterreifen. Es steht also ein kraftvoller Jahrgang zu erwarten, auch beim Müller, der ja wieder im Kommen ist, auch ohne dass sich seine Umbenennung in Rivaner wirklich durchgesetzt hat. Für mich ist dieser leichte, fruchtige Weißwein sowieso schon immer ein Favorit unter den Weinen für jeden Tag gewesen. Jedenfalls, wenn die Erzeuger – anders als in früheren Jahren oft – auf begrenzte Erträge achten. Probieren Sie zum Beispiel mal, mit einem der frisch und knackig ausgefallenen 2008er-Müller auf einen Fußballsieg anzustoßen. Passt wunderbar. Und mindestens so gut wie ein Pils tief im Westen.
Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Inhaber des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.
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Autor: Fritz Keller
