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21. März 2009

WEINKELLER: Ruländer, ruhe sanft

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An einem der letzten Frühlingserwachtage saß ich mit einem Freund bei einem Glas Grauburgunder zusammen. Trotz seiner sortentypisch zurückhaltenden Säure hatte er eine schöne Frische, aber auch spürbar Kraft und, ebenfalls ganz charakteristisch, dezente Aromen von exotischen Früchten. Es war also, wie es sich für einen guten Grauburgunder gehört, eine "Gosche voll Wi" (was mit einem Maul voll Wein nur unzureichend übersetzt werden kann). Bei ihr erinnerten wir uns am Ende des langen Winters auch daran, wie heiß es im März vor zwei Jahren schon war, eine Zeit, die ich sowieso nie vergessen werde, weil da mein Vater starb. Er zählte, wie die meisten hier wahrscheinlich wissen, zu den Pionieren, die gegen große Widerstände für ein Geschmacksprofil des Grauburgunders kämpften, mit dem er dann zum renommiertesten Weißwein Badens wurde. Davor hatte man lange Zeit nicht beachtet, dass er unbedingt durchgegoren und ungesüßt auf den Markt kommen sollte, weil seine milde, auch außerordentlich verträgliche Säure, keine Restsüße braucht, und er mit soviel Extrakt gesegnet ist, dass auch der Geschmack nicht mit Süße aufgepäppelt werden muss. Im Gegenteil, schon mehr als zwei oder auch mal drei Gramm pro Liter machen ihn schnell pappig und breit. Auch deshalb ärgere ich mich, dass mir in letzter Zeit wieder immer häufiger badische Grauburgunder mit zuviel Restsüße auffallen. Jeder Schritt zurück Richtung Ruländer, wie der Grauburgunder noch hieß, bevor er in den 1980er Jahren mit dem Namen auch die Stilistik wechselte, wäre fatal. An seiner wuchtigen Süße ist der Ruländer zu Recht gescheitert. Das muss man wissen, wenn der Grauburgunder seine Geschichte nicht wiederholen soll.
Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Geschäftsführer des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.

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Autor: Fritz Keller