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17. Oktober 2009

WEINKELLER: Steilvorlage von oben

  1. Foto: bz

Fast genau drei Jahre ist es jetzt her, dass ich hier über die schnellste Weinlese berichtet habe, an die ich mich erinnern kann. Auch in diesem Jahr waren die Winzer wieder gut beraten, die reifen Trauben rasch nach Hause zu holen. Aber unter welch anderen Vorzeichen als 2006! Damals hatten über den Spätsommer und Frühherbst lang andauernde Niederschläge bei gleichzeitig verhältnismäßig hohen Temperaturen dafür gesorgt, dass die Trauben extrem anfällig waren für Pilze und Essigbakterien. Sobald sie reif waren, mussten sie deshalb geerntet werden, um den Befall zu verhindern, respektive um zumindest die Trauben beziehungsweise Beeren zu retten, die noch nicht erkrankt waren. Trotzdem haben damals viele Winzer große Ernteverluste hinnehmen müssen.

Und wie anders ist jetzt dagegen dieser Herbst gewesen mit seinen extrem vielen Sonnentagen und – was als Kombination besonders ideal ist – trotzdem einigermaßen kühlen Nächten. Den Lesezeitpunkt nicht möglichst lange hinauszuzögern, war deshalb auch nur angeraten, um zu verhindern, dass der Öchslegrad der Trauben noch weiter nach oben schießt, sprich: die Weine später zu alkoholisch werden. Selbst wer die reifen Trauben zügig geerntet hat, darf sich schon auf sehr kräftige, aromenreiche Weißweine freuen. Bei den Rotweinen bin ich sogar – obwohl ich sonst nicht schnell zu Superlativen neige – fast ein bisschen euphorisch. Vieles deutet da auf einen großen Jahrgang hin, der einiges von dem vereinen kann, was die außerordentliche Qualität der großen Roten 1990er und 2007er bestimmt hat. Zumindest arbeiten die Winzer daran – nachdem das Wetter und die diesjährige Ernte eine wunderbare Vorlage gegeben haben.
Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Inhaber des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.

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Autor: Fritz Keller