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16. Mai 2009

WEINKELLER: Vereint essen, reden, trinken

  1. Foto: bz

Natürlich wird es welche geben, die behaupten, ich würde mich hier und heute nur deshalb mit dem Gemeinsam-Feste-Feiern beschäftigen, weil der Sport-Club vergangenen Sonntag aufgestiegen ist. Dazu zwei Dinge. Erstens, wenn es so wäre, was heißt dann: nur deshalb? Zweitens bin ich ziemlich sicher, dass es nicht so ist. Es fällt mir nämlich schon länger auf, dass bei kleinen und größeren Runden auch in ambitionierteren Restaurants immer öfter jeder für sich sein Essen á la carte bestellt, und man immer seltener gemeinsam ein angebotenes Menü zusammen isst. Manchmal frage ich mich dann, ob da die immer weiter um sich greifende Kultur – ist das hier eigentlich noch der richtige Begriff? –, dass zunehmend mehr Menschen zu Hause oft alleine und Fertiggerichte essen, auch auf das Gemeinsam-Essen-Gehen durchzuschlagen beginnt. Was aus vielen Gründen schade wäre. Schließlich heißt etwas zusammen genießen immer auch, sich über den Genuss auszutauschen und ihn so zu reflektieren. Dazu steht gerade die Zusammenstellung von Menüs in Restaurants in ganz besonderer Weise für die Handschrift und die Kreativität der Küche. Und nicht zuletzt weiß, wer Wein vor allem auch als Begleiter zum Essen schätzt: Es gibt kaum bessere Gelegenheiten, gute Weine zu genießen als beim gemeinsamen Essen mit Freunden. Mein Tipp also: Wenn Sie sich mal wieder in Gruppenstärke was gönnen, versuchen Sie es mit einem gemeinsamen Menü und lassen Sie sich bei der Frage nach den dazu passenden Weinen in Ruhe beraten. Ob Sie den Aufstieg ihrer Lieblingsmannschaft feiern oder ganz was anderes, spielt keine Rolle – und auch nicht, dass sie damit einen kleinen Beitrag zu einer vom Aussterben bedrohten Esskultur leisten.
Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Inhaber des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.

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Autor: Fritz Keller