Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
02. Mai 2009
WEINKELLER: Warten, nicht jammern
Der Mensch neigt zunehmend zur Ungeduld. Aufgefallen ist mir das mal wieder, als letzten Samstag das Freiburger Strandbad öffnete – so früh wie noch nie. Wobei ich nicht die Badöffnung als Zeichen zeitgenössischer Hibbeligkeit deute, sondern die davor immer lauter gewordenen Klagegesänge darüber, dass der Winter nicht wirklich enden und der Frühling nicht wirklich anfangen wollte. Dann aber bescherte die Natur allen Zweifelnden Frühlingstage, wie sie im Bilderbuch stehen und den wärmsten April seit der Temperaturmessung. Im Kaiserstuhl haben wir eine wunderbare Obstbaumblüte erlebt, und wenn ich durch die Reben gehe, dann ist die Vegetation in den Weinbergen schon jetzt auf dem Stand des Vorjahres und könnte sogar noch eine Entwicklung wie 2007 nehmen. Das war ein ganz besonders herausragendes Weinjahr, weil nach außergewöhnlich früher Wärme und Rebblüte und einem durchwachsenen Sommer ein für die Trauben perfekter Herbst mit kühlen Nächten und vielen schönen Tagen für optimale Reifebedingungen sorgte. Aber auch 2008 war ein sehr gutes Jahr, dessen Weine mit großer Frische und Knackigkeit überzeugen. Um die zu erlangen, darf es den Trauben nicht an den nötigen Säuren fehlen – und unterm Jahr nicht an ausreichendem Regen, der die Voraussetzungen dafür schafft. Womit wir wieder bei der zunehmenden Ungeduld sind. Denn kaum war dieses Jahr der Frühling da, wurde das Jammern über sein Ausbleiben durch das über fehlenden Regen abgelöst. Der kam dann in der letzten Woche. Woran man sieht: Wir Winzer könnten gerade ganz zufrieden sein. Wenn uns die Ungeduld nicht so plagen würde – und ein bisschen auch die Frage, wie sehr unser Wetter schon die Handschrift der Klimakatastrophe trägt.
Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Geschäftsführer des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.
Werbung
Autor: Fritz Keller
