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31. Oktober 2009
WEINKELLER: Winzer im Öchslewahn
Es ist eigentlich paradox: Der wunderbare Herbst, den wir hatten, wird einigen 2009ern am Ende sogar eher schaden. Der Grund: Weil sehr viele Winzer nach einem Vergütungssystem arbeiten, bei dem sie umso besser bezahlt werden, je höher der in Öchsle gemessene Fruchtzuckeranteil im geernteten Lesegut ist, werden die Trauben oft über den optimalen Lesezeitpunkt hinaus hängen gelassen. Die Gefahr: Die Weine können am Ende zu alkoholisch und unausgewogen geraten. Dies gilt natürlich zuallererst für die einfachen Weißen, deren ureigenste Stärken wie Leichtigkeit, Frische, Spritzigkeit und Eleganz – gerade in sehr guten Jahren – im Öchslewahn unterzugehen drohen. Um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Fruchtzucker ein wichtiges, aber beileibe nicht das einzige Qualitätskriterium ist, hilft für mein Empfinden deshalb nur eine Änderung der eindimensionalen Vergütungsregelungen. Warum beispielsweise nicht eine Öchsleobergrenze festlegen, mit deren Erreichen Winzer den Höchstpreis für ihr Lesegut erzielen – und alles, was darüber liegt, birgt keinen finanziellen Anreiz mehr? Das könnte ein wichtiger Schritt sein, um die Qualität der Weine vor allem in der Breite gezielt zu verbessern. Was dazu bedeutet: ein auch perspektivisch konkurrenzfähiges Markenprofil der badischen Weine zu entwickeln.
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Und damit meine ich nicht nur für den Müller-Thurgau oder den Gutedel, mir geht es um alle Rebsorten, selbst den Spätburgunder. Bei zu langer Reife neigt auch er dazu, die feine Frische zu verlieren, die ihn eigentlich auszeichnet. Was nur ein Problem ist, mit dem sich der Tabellenführer unter den in Baden angebauten Rebsorten herumschlägt. Aber damit beginnt schon wieder eine neue Geschichte.
Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Inhaber des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.
Autor: Fritz Keller
