Eine Reise in eine andere Zeit

Lena Marie Jörger

Von Lena Marie Jörger

Di, 14. August 2018

Weisweil

MUSEUMSGESCHICHTEN (1): Manfred Zeisset stellt in Weisweil Dinge rund um Haus und Hof aus.

NÖRDLICHER BREISGAU/NÖRDLICHER KAISERSTUHL. Ob zur Fasnet, zu Kirschen oder zur Heimatgeschichte – in der Region gibt es Museen, die es zu entdecken lohnt. In einer Serie stellt die Badische Zeitung Museen vor und erzählt die Geschichte besonderer Ausstellungsstücke.

Wer "Manfreds Haus- und Hofmuseum" in Weisweil betritt, unternimmt eine Reise in eine andere Zeit. Eine Zeit, in der Telefone Wählscheiben haben, in der Wäsche vor dem Waschtag in einer Zinkwanne eingeweicht wird und in der Musik nicht übers Internet gestreamt wird, sondern aus dem Plattenspieler oder dem Radio schallt. Auf mehr als 500 Quadratmetern stellt Manfred Zeisset, Jahrgang 1935, Schätze aus vergangenen Zeiten aus. "Ich hatte schon immer eine Sammelleidenschaft", erklärt er. Früher führte er einen Legebetrieb. Die Eier vermarktete er selbst, fuhr mehrmals pro Woche zu verschiedenen Märkten. Wann immer er unterwegs etwas Interessantes entdeckte, zum Beispiel, wenn gerade Sperrmüll war, packte er es ein – nicht immer zur Freude seiner Frau: "Sie hat schon auch mal die Hände überm Kopf zusammengeschlagen, wenn ich wieder mal mit einem vollen Auto heimkam", erzählt Manfred Zeisset und lacht.

Er genießt es, Besucher egal welchen Alters durch das Museum zu führen, angefangen beim Außenbereich mit größeren Ausstellungsstücken wie Mähmaschinen und Pflügen, über die Innenräume mit allerlei rund um Haus und Hof: Geschirr, Spielsachen, Schreibmaschinen, Radios, Werkzeuge, Tabakpfeifen, Schulbücher und -taschen, Weisweiler Trachten, medizinische Geräte und vieles mehr.

Längst hat Manfred Zeisset aufgehört, die Ausstellungsstücke zu zählen, die er liebevoll und thematisch geordnet arrangiert hat. Sorgfältig beschriftete Schildchen liefern dem Betrachter nähere Informationen zu einzelnen Stücken.

Zum Beispiel zum Plattenspieler aus der Zeit um 1920, eines von Manfred Zeissets Lieblingsstücken. Vorsichtig öffnet er den Holzdeckel, setzt die Nadel auf die Schallplatte, betätigt ein paar Mal die Kurbel an der rechten Seite – und lächelt stolz, als plötzlich Musik aus dem Gehäuse scheppert. "So veränderte man früher die Lautstärke", erklärt er, während er die Türen an der Vorderseite des Plattenspielers öffnet. "Ein Museum zu haben, war schon immer mein Traum", sagt Manfred Zeisset, der in Burg bei Kirchzarten aufwuchs und in seiner Kindheit und Jugend viel im elterlichen Milchviehbetrieb mithalf. 1967 zog er nach Weisweil, baute dort seinen Legebetrieb auf. 1968 heiratete er seine Frau Doris. Im Jahr 2000 übernahm Tochter Jutta Zeisset den Familienbetrieb, 2005 kam das Museumscafé dazu. Seitdem beleben sich Museum und Café gegenseitig.

Manfreds Haus- und Hofmuseum, Oberhausener Straße 11 in Weisweil, ist in der Regel nach Vereinbarung und zu den Öffnungszeiten des Museumscafés geöffnet: mittwochs bis freitags von 11.30 bis 18 Uhr, samstags, sonn- und feiertags von 10 Uhr bis 18 Uhr (Öffnungszeiten gelten von April bis Oktober 2018). Führungen finden meist sonntags und nach Absprache unter Tel. 07646/259 statt. Weitere Informationen gibt es unter hofladen-zeisset.de.