Weisweil

Mahnwache will Signal gegen AKW Fessenheim setzen

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Mo, 06. Februar 2017

Weisweil

Mitglieder der Mahnwache in Weisweil wollen Signal gegen Vergessen und Verdrängen setzen.

WEISWEIL. Die Bürgerinitiative in Weisweil bleibt hartnäckig, und das ist sie seit mehr als fünf Jahren: An jedem ersten Montag im Monat hält sie ihre Mahnwache als stete Erinnerung an die Gefahren der Atomkraft. Die Katastrophe in Fukushima in Japan gab den Ausschlag. Die Mitglieder wollen sich weiter treffen, so lange, bis das endgültige Aus für das Atomkraftwerk Fessenheim Tatsache ist. Heute um 18 Uhr ist wieder eine Mahnwache am evangelischen Gemeindehaus.

Seit 2011 treffen sich am Weisweiler Gemeindehaus unverdrossene Kämpfer gegen die Atomkraft. Erdbeben und Tsunami führten am 1. März 2011 zum atomaren Notfall im Reaktor Fukushima und machten in der Folge viele Menschen aus der Region um das Kraftwerk heimatlos.

"Am Anfang waren wir in Weisweil 50 bis 60 Leute. Da war es aktuell", erinnert sich die kleine Runde, die im neuen Jahr zusammengekommen war. Heute gehören bis zu 16 Leute in den Kreis, der regelmäßig zu den Mahnwachen kommt.

"Es geht nicht immer nur nach vorn, es gibt auch Rückschritte", sagt BI-Sprecher Kurt Schmidt. Eigentlich hätte das Aus für Fessenheim jetzt endgültig sein müssen: So sagte es der amtierende französische Präsident Hollande im Wahlkampf zu. Die Aufgabe von Fessenheim wurde auch immer wieder Thema, zuletzt Ende Januar. Fessenheim ist momentan wegen nicht korrekter Zertifikate vom Netz. Es könnte ganz aufgegeben werden, wenn das neue Atomkraftwerk in der Normandie Ersatz bietet. Dessen Bau aber verzögert sich. "Die Energiewende ist aber auch bei uns noch nicht in trockenen Tüchern", sagt Schmidt.

Für die Runde steht fest: "Bis Fessenheim abgeschaltet ist" wollen sie zur Mahnwache zusammenkommen. Sie kommen, um gegen das Vergessen und Verdrängen ein Signal zu setzen. Sie kommen auch, um etwas zu tun: "Man kommt sich ja ziemlich ausgeliefert vor", sagt Anneliese Baumann. "Es besteht schon die Gefahr, dass das Thema untergebuttert wird", sagt Wolfgang Baumann. Viele junge Leute interessiert es nicht besonders, und die ehemaligen Wyhl-Kämpfer sind in die Jahre gekommen. Die Mahnwache sehen sie daher auch als einen aktiven Beitrag gegen das Vergessen. Einen kleinen Denkanstoß gibt Wolfgang Baumann regelmäßig, wenn er mit seinem Fahrrad im Ort unterwegs ist. Es sei sein "Dienstrad", scherzt er, an dem gut sichtbar die gelbe Fahne der Atomkraftgegner flattert.

Am liebsten würden sie es sehen, wenn auch anderswo auf Atomkraft verzichtet würde, am besten weltweit. Informationen über die jeweils aktuellen Entwicklungen in Europa und darüber hinaus stellt Anna Haag für die Treffen zusammen. Sie sammelt Meldungen für einen kleinen Pressespiegel, informiert sich im Internet und gibt bei den Mahnwachen in Weisweil jeweils einen Bericht ab. Seit dem Umzug des Archivs der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen ins evangelische Gemeindehaus kann es die Info je nach Wetterlage dann auch drinnen geben.