Neues Team führt Bürgerinitiative

Christel Hülter-Hassler

Von Christel Hülter-Hassler

Mi, 08. August 2018

Weisweil

Quelle für Recherchen zur Umweltbewegung: BI Weisweil betreut das wachsende Archiv der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen.

WEISWEIL. Die Bürgerinitiative (BI) Weisweil hat ein neues Vorstandsteam. Bei der Mitgliederversammlung der Montag im "Archiv" wählte die Versammlung einen neuen Vorstand: Kurt Schmidt wurde als erster Vorsitzender einstimmig bestätigt. Neu sind Anna Haag als zweite Vorsitzende, nachdem sich Walter Haag für dieses Amt nicht mehr zur Verfügung gestellt hatte, Bernd Nössler als Schriftführer und Wolfgang Baumann als Rechner.

Die BI Weisweil hütet einen großen Schatz im Ort: das Archiv der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen. "Es kommen fast jeden Monat Interessierte aus aller Welt, um sich ein Bild über die Anfänge der Umweltbewegung in Deutschland zu machen", berichtete Kurt Schmidt. Er wies darauf hin, dass die Sammlung immer umfangreicher werde, weil Hinterbliebene von im Widerstand gegen das Atomkraftwerk Wyhl Engagierten oft den persönlichen Nachlass zur Verfügung stellten. Schmidt: "Allein aus dem Nachlass von Peter Book sind 80 Ordner zu uns gekommen." Diese Unterlagen seien besonders interessant, weil man viel über die Vorgeschichte von Wyhl erfahre.

Erstaunlich bekannt sei das Geschehen um den erfolgreichen Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk in Wyhl bei vielen japanischen Besuchern. Es kämen aber auch viele interessierte Studenten, Schüler oder Autoren aus den USA, aus Südkorea oder Europa, um sich ein Bild über die Vorgänge zu machen.

"Unsere letzte Mitgliederversammlung liegt einige Jahre zurück", räumte Kurt Schmidt ein. In dieser Zeit habe man wichtige Veranstaltungen initiiert wie die Gedenkfeste zu "40 Jahre Platzbesetzung" oder "40 Jahre Offenburger Vereinbarung". Gut in Erinnerung ist auch der Besuch von Aleksandr Kozmenko 2017, der als einer der Liquidatoren von Tschernobyl an der Uni Freiburg und in Weisweil über die Leiden und das frühe Sterben seiner Kameraden berichtet hatte.

Erhard Schulz von den Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen ergänzte Schmidts Bericht: Zur Zeit schreibe eine Theologiestudentin aus Heidelberg ihre Diplomarbeit über die Mitwirkung der evangelischen Kirche im Widerstand. Eine Laienspielgruppe aus Lahr arbeite an einem Theaterstück, das im Herbst zur Aufführung komme. Sie alle hätten im Archiv recherchiert über Personen und die Umstände der damaligen Zeit.

Kurt Schmidt berichtete, dass die BI Weisweil auch die monatlich stattfindenden Montags-Mahnwachen im Ort organisiere. Hier sei Anna Haag federführend. "Wir halten weiter an den Mahnwachen fest – mindestens bis Fessenheim abgeschaltet ist", versicherte Schmidt. Das Thema Atomkraft sei leider längst nicht vom Tisch und deshalb sei es wichtig, sich auszutauschen und Flagge zu zeigen.

Schmidt legte auch den Rechnerbericht dar. Auf Empfehlung von Kassenprüfer Wolfgang Baumann und auf Antrag von Erhard Schulz wurde der Vorstand einstimmig entlastet. Schulz versicherte als Sprecher der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen: "Wenn Investitionen im Archiv notwendig sind, dann werden wir das Geld dafür aus unserer Stiftung zur Verfügung stellen." Einstimmig beschlossen wurde eine Satzungsänderung, um die Gemeinnützigkeit im Bezug auf die Betreuung des Archivs und den Datenschutz zu gewährleisten.