Ende einer Institution

Der Weisweiler Theater- und Kulturverein "s’ Fenster" hört nach 35 Jahren auf

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Do, 17. Januar 2019 um 12:59 Uhr

Weisweil

Ins "Fenster" kamen Prominente wie Katja Ebstein und Matthias Deutschmann. Jetzt ist die Fenster-Zeit vorbei. Warum Ende Januar die letzte Veranstaltung stattfindet.

Der Theater- und Kulturverein "s’ Fenster" hört auf. 35 Jahre nach der Gründung ist Schluss. "Die Fenster-Zeit ist jetzt vorbei", sagt Erika Klank. Sie ist die Dienstälteste: 33 Jahre war sie fürs "Fenster" im Einsatz, seit 2002 als erste Vorsitzende. Jüngere Nachfolger wurden gesucht, aber nicht gefunden. Die letzte Veranstaltung am 26. Januar mit "Öl des Südens", die ebenfalls ihre Karriere beenden, ist ausverkauft.

Steigende Gagen, sinkende Besucherzahlen

Der Entschluss zum Aufhören fiel nicht ganz leicht. Aber "das Drumherum ist einfach immer weniger schön geworden", sagt Erika Klank. Die Gagen stiegen, die Besucherzahlen gingen zurück, und die Konkurrenz wuchs. Als das "Fenster" 1984 anfing, war es zusammen mit der Kumedi , die damals noch in Nimburg war, allein auf weiter Flur. "Kürzlich hatten wir eine Veranstaltung, da waren am selben Abend sieben solche Veranstaltungen im Umkreis", sagt Klank.

Dazu kamen ganz praktische Erwägungen: Der Aufwand wurde zu viel. Aus dem Mannschaftsraum der Feuerwehr müssten erst Tische und Stühle geschleppt werden, um daraus ein Foyer für den Heuboden zu schaffen. "Das ist uns zunehmend schwergefallen", sagt der langjährige Helfer Wolfgang Hettich.

Die Künstler kamen gern nach Weisweil

Keine Sorgen gab es mit dem Programm, für das Henriette Ade zuständig war. Die Künstler kamen gern nach Weisweil, und die Begegnung mit ihnen gehörte immer zu den schönen Erlebnissen. Vor allem das anschließende Beisammensein und das Lob der Künstler waren Lohn für die Arbeit. Die Künstler waren von der Nähe zum Publikum im Heuboden, von der Atmosphäre und der individuellen Betreuung begeistert und zeigten das, erzählt Erika Klank.

Ins "Fenster" kamen Prominente wie Katja Ebstein, die drei Mal in Weisweil auftrat, und Matthias Deutschmann. Junge Kabarettisten, die später im Fernsehen zu sehen waren, traten im Heuboden auf, und Künstler aus der Region wie Goschehobel und Vetterliswirtschaft, oder Huguette Dreikaus und René Egle aus dem Elsass. Die Bandbreite war groß: Es gab Kabarett, Comedy, Klassik, Folklore, Jazz, Klezmer, Travestie und anderes in den drei Jahrzehnten. Dazu kamen Kinderveranstaltungen wie Weihnachtsmärchen und Sommerfeste mit Open-Air Musik.

Der Metzger holte einen Flügel mit dem Schweinetransporter

Es gab auch besondere Erlebnisse, die es nur auf dem Dorf gibt: Als eine Schwarzwälder Kirschtorte, der Mittelpunkt des Stücks, dem Künstler in der Probe herunterfiel, gab es eine Stunde später Ersatz, dank der örtlichen Bäckerei. Und der Dorfmetzger holte einen teuren Flügel aus Freiburg, mit dem Schweinetransporter, um für den berühmten Gastmusiker beim Auftritt in der Kirche ein geeignetes Instrument stellen zu können.

Angefangen hatten die "Fenster"-Macher 1984 ganz bescheiden. Zwei Paare mit kleinen Kindern wollten Kultur aufs Dorf bringen. Sie taten es mit Filmvorführungen und Filmen aus der Kreisbildstelle, dann mit Künstlern aus Freiburg. Das "Fenster" war erst im Gemeindesaal und später im Mannschaftsraum der Feuerwehr. Zehn Jahre nach Bestehen des Vereins baute die Gemeinde den Heuboden aus. Seitdem gab es eine richtige Bühne und das Licht dazu, um die Künstler in Szene zu setzen. 2002 gab es eine Zäsur: Das "Fenster"-Team trennte sich. Ein Teil blieb in Weisweil, das "Original" wich nach Kenzingen aus.



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