WOCHENSPIEGEL: Die Kehrseite des Erfolgs

hü

Von hü

Sa, 16. Januar 2016

Weisweil

Wie geht das denn? Das Tanzfestival in Weisweil, ein absoluter Hit in der Reihe der Angebote der FCW-Fasent, ist abgesagt. Wie kann das sein, wo doch gerade der Wettbewerb der Tanzgruppen stets Massen an Anmeldungen aus der ganzen Region und mit ihnen eine Menge Besucher anlockte? Gerade deshalb, lautet die einfache Erkenntnis. Das Tanzfestival ist zu groß geworden für die kleine Halle in Weisweil. In 26 Jahren ist es gewachsen und gewachsen, bis die Halle aus den Nähen platzte. Und dazu wurde das Tanzfestival noch Jahr für Jahr ein bisschen besser. Auch das ist an sich ja nicht schlecht: Die Besucher bekamen auf diese Weise tolle Shows zu sehen. Aber es gibt eben auch die Kehrseite: Der Anspruch, eine rundum gelungene Show zu bieten, hat die Spontanität der Gruppen eingeschränkt, vor allem derjenigen, die nur zur Fasnet zusammenkommen und mit ihrem Auftritt einfach Spaß haben wollen. Nun muss der FCW sehen, wie er kleine Halle, großen Erfolg, hohe Erwartungen und Spaß für alle unter einen Hut bringen kann. Aber keine Sorge, schließlich trägt ein Elferrat keinen Hut, sondern eine Kappe mit vielen glänzenden Zipfeln und garantiertem Platz darunter für zündende (Fasents)Ideen.

Narren und Regierende

Die besinnlichen Tage sind vorbei; die Narretei regiert. Am Wochenende geht’s in Nordweil zur Sache und dann geht’s Schlag auf Schlag mit Kappenabenden, Zunftbällen und der Straßenfasnet. Doch nicht alles, was närrisch erscheint oder "narrisch" macht, hat auch mit Fasnet zu tun. Zum Beispiel das Thema Rheintalbahn: Angeblich wollen alle das Gleiche, nämlich, dass der Ausbau der Rheintalbahn entsprechend dem Votum des Projektbeirats endlich beschlossen wird und die Finanzierung in trockenen Tüchern ist. Dem Bürger vor Ort bietet sich jedoch ein ganz anderes Schauspiel. Da werden Anträge gestellt, zurückgestellt und die des politischen Gegners abgelehnt, obwohl man in der Sache eigentlich weitgehend einig ist. "Das ist Politik, so funktioniert das", urteilt der in Sachen Rheintalbahndebatte gestählte Kollege lapidar. Mag sein, aber angesichts einer solchen Lust am politischen Taktieren und gegenseitigen Ausmanövrieren der handelnden Volksvertreter dürfte so manchem Bürger die Lust vergehen, Politik verstehen zu wollen. Ob das die Lust steigert, wählen zu gehen?

Respekt vor euch Sternsingern

Bei Wind und Wetter von Haus zu Haus – was die Hunderten von Sternsingern zu Jahresbeginn der Region leisteten, war beeindruckend. Mit großem Einsatz, der vergleichsweise geringe persönliche Opfer erforderte, anderswo in der Welt viel helfen können – das war den Kindern und Jugendlichen Motivation genug. Der Lohn: Mit fast 68 000 Euro sammelten die Sternsinger am nördlichen Kaiserstuhl und im nördlichen Breisgau gut 3500 Euro mehr als im Vorjahr. Respekt!