Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

27. Juli 2012 20:51 Uhr

SC Freiburg

Welches Fazit lässt sich nach den Trainingslager ziehen?

Die Mannschaft des SC Freiburg kehrt aus dem Trainingslager zurück an die Dreisam. Nach den Tagen in Schruns gibt es Gewinner, vielleicht auch Verlierer? Der Versuch einer Bestandsaufnahme.

  1. Garra Dembélé hat weiter Mühe, seinen Platz im Team des SC Freiburg zu finden. Foto: meinrad schön

Es ist fast zu schön, um wahr zu sein. Damit ist ausnahmsweise nicht die grandiose Bergwelt des Montafon gemeint, die, wenn es mal nicht regnet in diesen Tagen, geradezu majestätische Pracht entfaltet. Das Wort super hat denn auch im Wortschatz von Christian Streich eine vielfältige Bedeutung.

Es bezeichnet während der Tage in Schruns die geografischen Vorzüge des Ortes in Vorarlberg, auf der anderen Seite wird der Trainer des SC Freiburg nicht müde, auch die Stimmungslage innerhalb der Mannschaft mit dem Superlativ zu umschreiben. Doch Streich weiß: Das alles ist nur eine Momentaufnahme. In ein paar Wochen wird er dem einen oder anderen weh tun müssen. Ab auf die Bank, wird es dann heißen, vielleicht sogar, hoch auf die Tribüne. Das sind die Momente, die Streich innere Pein bereiten. Angestrengt in der Vorbereitung haben sich alle, spielen von Beginn an können aber immer nur elf. "Das sind bittere Momente", sagt Streich, der gelernt hat, dass in solchen Situationen auch die Stimmung leiden kann. Doch wie sieht die Situation nach dem Trainingslager in Österreich aus? Gibt es Gewinner, vielleicht Verlierer? Der Versuch einer Bestandsaufnahme.

Werbung


TORHÜTER
Es gibt keinen Zweifel, die unangefochtene Nummer eins ist und bleibt Oliver Baumann. Auch wenn der 22-Jährige die SC-Verantwortlichen ein bisschen geärgert hat. Mit seinem Wechsel zur Agentur von Gordon Stipic und Dirk Pietroschinsky hat er sich ausgerechnet jene Berater ausgesucht, die seit dem etwas dubios verlaufenen Wechsel von Daniel Williams zur TSG Hoffenheim vor rund einem Jahr beim SC als unerwünscht gelten. Dennoch: Seine Position zwischen den Pfosten ist unerschüttert. Daniel Batz gilt als ein Vertreter, der sich in jüngster Zeit sehr gut entwickelt hat. Alexander Schwolow ist ein Eigengewächs, dem Zeit zur Entwicklung gegeben wird.

ABWEHR
Mensur Mujdza und Oliver Sorg sollten als Außenverteidiger gesetzt sein. Neuzugang Vegar Hedenstad wird sich trotz seiner Veranlagung noch an die Bundesliga gewöhnen müssen, ebenso das aus der Fußballschule gekommene Talent Christian Günter. In der Innenverteidigung dürfte Fallou Diagne einen Platz zunächst sicher haben, um die Position an seiner Seite streiten die beiden Youngster Matthias Ginter und Immanuel Höhn. Dann gibt es noch Pavel Krmas und Beg Ferati. Während der disziplinierte Tscheche – er ist übrigens der dienstälteste Spieler im Kader (seit 2007 im Verein) – nach einer Achillessehnenverletzung um den Anschluss bemüht ist, bleibt der Schweizer eine große Wundertüte. Ferati hätte wechseln können, will sich aber, wie er sagt, beim SC beweisen. Bei besagter Konkurrenz wird er sich aber kräftig ins Zeug legen müssen.

DEFENSIVES MITTELFELD
Kapitän Julian Schuster, Cedrick Makiadi und der durch einen Muskelfaserriss derzeit außer Gefecht gesetzte Johannes Flum scheinen unersetzlich zu sein. Seine Stärken hat aber auch Karim Guédé bewiesen, der auch dank seiner Robustheit eine Alternative sein kann. Nicht zu vergessen: Während Makiadi zusätzlich für offensivere Aufgaben geeignet ist, kann Matthias Ginter auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden.

OFFENSIVES MITTELFELD
Hier herrscht Gedränge: Jan Rosenthal, Anton Putsila, Jonathan Schmid, Daniel Caligiuri, Max Kruse, Marco Terrazzino, Ezequiel Calvente und Erik Jendrisek kämpfen um zwei, bestenfalls drei freie Stellen. Während an den Seiten derzeit Schmid und Caligiuri den stärksten Eindruck hinterlassen, dürften sich um den zentralen Einsatz in erster Linie Rosenthal und Kruse balgen. Letzterer auch mit der Aussicht, an die Seite geschoben zu werden. Bei Rosenthal gehen Anspruch und Wirklichkeit gelegentlich verschiedene Wege. Eine Bürde des Ex-Hannoveraners. Dies könnte eine Chance für Terrazzino werden, der gute Anlagen hat, aber langsam an die Liga herangeführt werden soll. Was der dieser Tage von Betis Sevilla ausgeliehene und noch mit Sprachschwierigkeiten behaftete Calvente zu leisten im Stande ist, wird sich zeigen. Auch, ob Anton Putsila, der vielleicht beste Fußballer im Team, Durchschlagskraft und Effektivität gelernt hat. Man würde es ihm wünschen. Erik Jendrisek hatte während der Vorbereitung Blessuren auszukurieren. Inzwischen trainiert er wieder, sein Leistungsstand kann dennoch nicht beurteilt werden.

ANGRIFF
Der ehemalige Kölner Sebastian Freis scheint ob seines laufintensiven, durchdachten Spiels gesetzt zu sein. Ihm am nächsten kommt wohl Ivan Santini, dem Christian Streich ein weiteres Jahr im Breisgau geschenkt hat. Grund: Der Sportclub-Coach glaubt, dass es Santini mit seiner Veranlagung in der Bundesliga durchaus schaffen kann. Während Mounir Bouziane in der Rolle des Lehrlings bleibt, der sich noch viel zu erarbeiten hat, steht hinter Garra Dembélé ein übergroßes Fragezeichen. Der bullige Malier, einst für rund zwei Millionen als Ersatz für Papiss Cissé eingekauft, hat bislang in Freiburg nie zu seiner Stärke gefunden. Er ist unberechenbar – in jeder Hinsicht. An ihm nagt offenbar, dass er selbst seine Leistung anders einordnet, als dies die Trainer tun. Kein Wunder wollte er im Sommer unbedingt weg. Jetzt ist er, nach einem für ihn offenbar unbefriedigendem Vorstellungstrip zu den Blackburn Rovers wieder zurück. Strengt er sich an, darf er sich einbringen, wenn nicht, werden sich die Wege wohl in nicht allzu langer Zeit trennen.

FAZIT
Der SC Freiburg hat eine extrem ausgeglichen besetzte Mannschaft zusammen, als deren Stärke ihre Flexibilität gelten darf: viele Spieler, die auf vielen Positionen eingesetzt werden können. Es geht, wie immer in Freiburg, um den Klassenerhalt. Mit ein bisschen Glück und Optimismus sollte dieser aber geschafft werden können. Zumindest sieht es nach dem Trainingslager in Schruns so aus.

Mehr zum Thema:

Autor: Michael Dörfler