Wochenmarkt weicht Schülern nicht

Heiner Fabry und Dirk Sattelberger

Von Heiner Fabry & Dirk Sattelberger

Mi, 20. Dezember 2017

Schönau

In Schönau stimmen Gemeinderäte gegen eine Verschiebung des Marktes um eine halbe Stunde / Elternbeirat zeigt sich enttäuscht.

SCHÖNAU. Der Gemeinderat ist dagegen, den Wochenmarkt in Schönau um eine halbe Stunde nach hinten zu verschieben. Damit sollte erreicht werden, dass sich Schüler in der großen Pause ab 9.05 Uhr ungehindert auf dem Rathausplatz bewegen können. Der Elternbeirat des Gymnasiums zeigt sich enttäuscht von der Abstimmung.

Der Antrag der Stadtverwaltung wurde mit acht Neinstimmen am Montag abgelehnt (bei vier Jastimmen). Der Wunsch auf eine Verschiebung der Marktzeit jeden Freitag von derzeit 10 Uhr auf 10.30 Uhr geht auf die Schulleitung des Gymnasiums zurück. Denn die Marktbeschicker benötigen für den Aufbau ihrer Stände ungefähr 45 bis 60 Minuten. Dadurch wird der Rathausplatz, der ebenso wie die Talstraße vom Gymnasium als Pausenhof genutzt wird, teilweise bereits ab 9 Uhr belegt – doch dann ist gleichzeitig große Pause, von 9.05 Uhr bis 9.25 Uhr (die BZ berichtete am Freitag). Bei dieser Situation wird es – gegen den Willen des Bürgermeisters – zunächst auch bleiben.

In der Beratung wurde Verständnis für den Spiel- und Bewegungsdrang der Kinder geäußert, auch für den erhöhten Sicherheitsaufwand des Aufsichtspersonals. Letztlich zeigten sich aber Räte aller drei Fraktionen von der Notwendigkeit einer Änderung der Marktsatzung nicht überzeugt. CDU-Fraktionssprecher Alexander Knobel sagte etwa nach der Abstimmung zur BZ: "Ein Argument gegen eine Verschiebung ist, dass die Kunden des Marktes nicht erst um 10.30 Uhr mit dem Kauf von Lebensmittel anfangen wollen." Die CDU-Fraktion gehe davon aus, dass bei gegenseitiger Rücksichtnahme gleichzeitig der Markt aufgebaut und die Schulkinder sich ausreichend bewegen könnten; nur Fußballspielen gehe dann an Freitagen auf dem Rathausplatz zwischen den Ständen eben nicht.

Carola Barbisch, erste Vorsitzende des Elternbeirats, zeigte sich am Dienstag enttäuscht über die Ablehnung des Antrags. "Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Früher wurde der Markt doch auch erst nach der Pause aufgebaut." Wenn der Rathausplatz mit Marktständen belegt wird, fehle die Hälfte des Pausenhofs. Dabei sei Bewegung für die Kinder außerordentlich wichtig – "die brauchen das". Birgit Senger, zweite Vorsitzende des Elternbeirats, sieht außerdem ernste Gefahren für die Kinder, wenn Marktbeschicker mit ihren Fahrzeugen zum Rathaus fahren, rangieren und Stände aufbauen. "Das geht mal gut, mal aber nicht." Der Elternbeirat sei sich mit Schulleiter Jörg Rudolf einig, dass die jetzige Situation nicht gut sei. Rudolf hatte Bänder oder Ketten ins Spiel gebracht, mit denen der Pausenhof nun abgetrennt werden könnte. Der BZ gelang es am Dienstag nicht, ihn für eine Stellungnahme zu erreichen.

Das letzte Wort ist in der Sache aber noch nicht gesprochen: Stadtverwaltung, Gemeinderat und Gymnasium setzen auf eine Verkehrsschau im kommenden Jahr. Dann wird mit Vertretern des Landratsamts die Situation vor der Schule betrachtet – nicht nur am Markttag am Freitag. Insbesondere die Talstraße wird dann eine Rolle spielen; dort dürfen Autos täglich in der großen Pause im Schritttempo zwischen spielenden Schülern fahren. Wenn Kinder einem Fußball nachrennen, schauen sie aber nicht immer nach den vorbeirollenden Pkw und Lieferwagen.

"Wir hoffen auf eine Gesamtlösung bei der Verkehrsschau. Vielleicht ändern sich dann auch die Marktzeiten", sagte Alexander Knobel. Bis dahin wolle man den Marktbeschickern keine neue Regelung zumuten. Der Termin für die nächste Verkehrsschau ist noch unbekannt.