Dreisamtal

Mountainbiker, Neubauten und Windräder nicht willkommen

Markus Donner

Von Markus Donner

Do, 04. Januar 2018 um 15:38 Uhr

Kirchzarten

Bürgerprotest liegt im Trend. Allein im Dreisamtal kommt man auf ein knappes Dutzend Gruppen, die sich in ihrem Protest gegen unterschiedliche Vorhaben zusammengefunden haben.

» Kirchzarten
Heftig Staub aufgewirbelt hat in Kirchzarten die Bürgerinitiative gegen den Bau einer Mountainbike-Arena am Giersberg. Seit einigen Jahren hat sich der Südschwarzwald zu einem Eldorado des Mountainbike-Sports entwickelt. Kirchzarten ist beliebter Ausgangs- oder Endpunkt für Touren. Seit Anfang der 1990er Jahre finden hier auch nationale und internationale Mountainbikewettbewerbe statt, darunter der "Black Forest der Ultra Bike Marathon". Vor diesem Hintergrund benötigte die Radsportabteilung des SV Kirchzarten, die auch viele Kinder und Jugendliche anspricht und die Jugendarbeit intensiv fördert, geeignete Trainingsmöglichkeiten. Als Vertreter einer relativ jungen Sportart konnte der Verein nicht auf gewachsene Trainingsorte zurückgreifen. Als 2011 Pläne publik wurden, die Trainingsstrecken am und um den Giersberg auszubauen, erhob sich heftiger Protest derjenigen, die im Naherholungsgebiet spazieren gehen oder wandern wollen und sich dabei durch Radfahrer gestört fühlen. Die Bürgerinitiative "IG Giersberg" forderte den Verzicht auf eine solche Anlage. Ein Bürgerentscheid wurde initiiert. Die Kirchzartener Bürger stimmten mit großer Mehrheit gegen den Vorschlag des Runden Tisches, der Alternativen entwickelt hatte. Die Initiative zeigte sich derweil offen für die Suche nach weiteren Kompromissen, um den Dorffrieden herzustellen, das Naherholungsgebiet aufzuwerten und den Mountainbikern alternative Strecken zu eröffnen. Der Gemeinderat votierte für ein geordnetes Bebauungsplanverfahren für den Bereich Hexenwäldele, wo ein neues Trainingsgelände abseits des Giersbergs entstand. Es wurde im Sommer 2017 offiziell eröffnet. Die "IG Giersberg" als eingetragener Verein löste sich auf.

Stegen
In Stegen mündete der Protest gegen den Bau eines vom Verein "Miteinander Stegen" initiierten Betreuungszentrums mit Pflegeeinrichtung, Tagespflege und Wohnungen in der Ortsmitte in einen Bürgerentscheid. Die Initiative "Pflegezentrum mit Augenmaß" (BI) scheiterte allerdings bei ihrem Vorstoß, mit einem Bürgerentscheid die Bebauungsplanänderung im Gebiet "Stockacker" zu kippen. 63 Prozent der Stegener wollen diese Einrichtung, die alten Menschen eine Pflegemöglichkeit bietet und gleichzeitig dringend benötigten Wohnraum schafft, der nicht auf dem freien Markt zu Höchstpreisen verhökert wird. Die BI hatte davor über das Verwaltungsgericht vergebens versucht, auf die redaktionelle Ausgestaltung des Stimmzettels Einfluss zu nehmen. Grundsätzlich befürworte die BI eine solche Einrichtung. Mit dem geplanten Bau in "drei- und vierstöckiger Kastenform mit Flachdach" stelle das Vorhaben aber einen "krassen Gegensatz" zur Umgebungsbebauung dar. Inzwischen knüpft die Gemeinde an ihre bisherigen Beschlüsse an und setzt die Planung fort. Die Initiative hat ihre Aktivitäten eingestellt.

» Buchenbach
Die Kommunalpolitiker im Dreisamtal geben die Hoffnung noch nicht auf, dass neben dem Freiburger Stadttunnel auch der Falkensteigtunnel als zusammenhängendes Verkehrsprojekt zeitnah verwirklicht wird. Denn sollte die Falkensteig-Umfahrung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden, gehen Investitionen für die Vorplanung in Millionenhöhe verloren. Der Bundesverkehrswegeplan nährt wenig Hoffnung. Die Bürgerinitiative Pro Falkensteigtunnel in Buchenbach schlägt immer dann Alarm, wenn sich auf der B 31 schwere Unfälle häufen oder der Tunnel beim Bund wieder nur untergeordnete Priorität bekommt. Die rund 280 Einwohner von Falkensteig sind enttäuscht, dass die Versprechen der Politiker offenbar nichts wert sind. Bestrebungen seitens Buchenbach, den Verkehr auf der B 31, wenigstens nachts, wegen der nachweislichen Lärmüberschreitung durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung zu verlangsamen, verliefen bisher ergebnislos. Wenn den Bürgern wieder einmal der Geduldsfaden reißt, so wie im Sommer 2012, kann es zu Aktionen kommen, bei denen sie mit Traktoren im Schritttempo den Verkehr aufhalten und im Minutentakt die Fußgängerampel drücken. Schnell zeigt das Wirkung – und der Verkehr staut sich kilometerweit. Lärm und Gestank mit einem Wegzug begegnen wollen die meisten Falkensteiger nicht: "Wir sind doch hier zu Hause."

Dreisamtal
Thema Windkraft. Hier regt sich allenthalben Protest. Die bisherigen Bürgerinitiative Stegen-Eschbach gegen Windkraft fusionierte mit der Bürgerinitiative "Schutz des Hochschwarzwaldes" zur "Bürgerinitiative für eine nachhaltige und naturverträgliche Energie Dreisamtal". Jüngst wieder im Brennpunkt: der Schauinsland. Hier wehren sich Landwirte, Gastronomen und Touristiker gegen weitere Windmühlen und sehen sich durch das Regierungspräsidium bestätigt, das im Rahmen des Zonierungsverfahrens den Bau von Windrädern auf dem Hundsrücken auf Gemarkung Oberried mit Hinweis auf "unüberwindbaren naturschutzrechtlichen Hindernissen" ablehnt. Im Mai 2015 fasste der Oberrieder Gemeinderat einstimmig den Beschluss, die Planung von bis zu drei Windrädern auf dem Hundsrücken voranzutreiben. Im Streben nach autarker Energieversorgung ist für Bürgermeister Klaus Vosberg noch nicht aller Tage Abend: Neue, vertiefende Gutachten sollen helfen, die Argumente der Windkraftgegner auszuhebeln.