Wenn ein Admiral eine Krabbe aufs Parkett führt

Sarah Schädler

Von Sarah Schädler

Mo, 12. Februar 2018

Au

Narrenabend unter dem Motto "A(u)tlantis – ein Dorf taucht ab".

AU. Es zischt, es brodelt, Wellen schäumen und schlagen ans Ufer. Das Meer steigt an und bahnt sich seinen Weg durch die Straßen und Gassen der Stadt. Ein Inselstaat geht innerhalb kürzester Zeit unter. Unter dem Motto "A(u)tlantis – ein Dorf taucht ab" feierten Matrosen, Meerjungfrauen und andere Seebewohner den Narrenabend im Bürgerhaus Au.

Die Geschichte von Atlantis ist Groß und Klein bekannt. Seit jeher ist es Forschern und Entdeckern nicht gelungen, den Mythos vom Untergang des mächtigen Stadtstaates zu beweisen. Kein Grund zum Trübsal blasen, dachten sich die Bewohner von Au. Auf die richtige Einstellung kommt es an. Und ein bisschen auf die passende Kleidung. Die Fasnachtsfreunde tauchten an diesem Abend ein in eine buntgeschmückte Unterwasserwelt: Selbstgebastelte Fische hingen von den Wänden und die Speisekarte lockte mit Matjesbrötchen.

"Wir haben jedes Jahr ein anderes Thema. Bedingung ist, dass es mit Au zu tun hat", erklärte Doris Ebner, die gemeinsam mit Annette Faller und Wolfgang Schanz, dem stellvertretenden Bürgermeister von Au und Vorsitzenden des Männergesangsvereins, durch den Abend führte. "Seitdem klar war, dass das Motto A(u)tlantis wird, haben wir mit Herzblut gebastelt, dekoriert und vorbereitet." Das Programm begann mit einer Einlage des Musikvereins Au. Ein Angler spielte Trompete, eine Nixe Querflöte – dirigiert wurde das Ensemble von einem engagierten Wassermann. "Narri", rief er. "Narro", schallte es zurück. Die Meerjungfrauen Ebner und Faller gaben letzte Sicherheitshinweise. Immerhin könnte es gefährlich werden unter Wasser. Vor allem vor Haien sollte man sich in Acht nehmen. Gewissenhaft wurde das Ganze an diesem Abend auch auf Französisch übersetzt. Immerhin hatte man eine Premiere zu feiern. So seien zum ersten Mal Besucher aus Dardilly anwesend gewesen. Auch die Gäste aus der Partnerstadt Merzhausens hatten sich dem Motto entsprechend gekleidet. Sie tauchten als Seeleute, Krabben und Enten ein in die bunte Welt der alemannischen Fastnacht.

Und die Pinguine tanzen Discofox

Der Männergesangverein kam im U-Boot auf die Bühne. In blaugestreiften Badeanzügen gaben sie Hits zum Besten: Badewasser wollten sie schlürfen. Auf diese Weise werde die Kehle mit Sicherheit nicht trocken. Anschließend erzählten vier Damen am Rollator von ihrem Alltag als "Alte Schnallen": Ihre Wägelchen waren mit Sandeimern, Badetüchern und Sonnencreme beladen. Die Damen trugen stilecht Bademantel und die dazugehörigen Badelatschen. Die Vier schauten ernst drein, brachten das Publikum aber gehörig zum Lachen.

Einen Kostümwettbewerb gab es nicht – "einen Sieger zu küren wäre wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit, bei der Bandbreite an tollen und kreativen Kostümen", sagte Faller. Doch eine Gruppe wurde besonders hervorgehoben, denn die "schießen zu Fasnet immer wieder den Vogel ab", betonte Ebner. Die beleuchteten Tiefseequallen mit den sie umgebenden Seifenblasen waren wahrlich ein Hingucker. Ein Höhepunkt des Abends waren auch die Bäretrieber aus Merzhausen, die auf ihrem Weg durch das Land einen spontanen Abstecher in die Unterwasserwelt wagten.

"Während dieser Zeit im Jahr kann man seine Phantasie spielen lassen, aus dem Alltag ausbrechen, eine Seite ausleben, die man sonst vielleicht zurückhält", meinte Kerstin Manz, eine Besucherin aus Merzhausen. Pinguine tanzten Discofox, ein Admiral führte eine Krabbe aufs Parkett, Angler und Fischer schunkelten harmonisch zur Musik. Aus den Lautsprechern schallte Helene Fischer, die Meeresbewohner fluteten die Tanzfläche und ließen sich von der Musik treiben.