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05. Juni 2008

"Wenn man daran arbeitet, klappt es auch"

Gert Philipp organisiert seit 1991 erfolgreich Familienfahrten nach Le Croisic und widerspricht der Einschätzung, dass die Städtepartnerschaft sich abgekühlt habe

  1. Mit Gert Philipp gab es einen Blick über den Tellerrand der Salmwochen. FOTO: BÖHRINGER Foto: Christine Böhringer

  2. Am Hafen von Le Croisic malten die Besucher aus Laufenburg einen Gruß auf den Platz. FOTO: PRIVAT Foto: Gert Philipp

LAUFENBURG. Anders als Monique Malleis, die Vorsitzende des Deutsch-französischen Freundeskreises, findet Gert Philipp nicht, dass in Laufenburg und Le Croisic das Interesse an der Städtepartnerschaft sinke. "Bei uns läuft das optimal", sagt der Vorsitzende des Schwarzwaldvereins, der schon seit 1991 alle zwei Jahre zu Pfingsten große Familienfahrten an die Atlantikküste organisiert, "und bei anderen Vereinen ist es nicht viel schlechter." In einem Gespräch mit der Badischen Zeitung betonte der 66-Jährige: "Wenn man daran arbeitet, klappt es auch."

Dass Malleis in der Hauptversammlung des Freundeskreises den Fortbestand der nunmehr 35 Jahre währenden Städtepartnerschaft angezweifelt und darob resigniert angekündigt hat, nächstes Jahr den Vorsitz abzugeben (siehe BZ vom vorigen Samstag), hält Philipp für "eine Einzelmeinung", die "vielleicht einer persönlichen Enttäuschung" entspringe. Die Jumelage in Frage zu stellen, sei nicht nur "nicht förderlich", sondern auch "ein Grundfehler": Die Städtepartnerschaft sei "ein Bekenntnis, eine Verantwortung, der wir uns verpflichtet haben und der wir nachkommen müssen". Das bedeute auch "hinzugehen und nachzufragen: Wie geht es euch?" Der Freundeskreis müsse dafür sorgen, "dass die Leute sich dafür interessieren". Die Partnerschaft sei ein Brückenbau: "Da darf man nicht enttäuscht sein, wenn mal ein loser Balken zusammenbricht."

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"Fahrräder laufen auch nicht von alleine, da muss man eben treten", stellt Philipp fest. Für die Städtepartnerschaft heiße das: "Das fällt uns nicht in den Schoß. Wir müssen das immer wieder neu entfachen, uns neue Ziele erarbeiten. Ideen gibt es en masse, nur muss man sie auch umsetzen." Und: "Wenn ich nichts mache, gewinne ich auch keine neuen Mitglieder." Wenn’s mal nicht so gut laufe, müsse man ergründen, woran es liegt, und noch aktiver werden "statt zu warten, bis wieder ein Jubiläum gefeiert wird". Mit Blick auf die Wahl eines neuen Freundeskreisvorstands im nächsten Jahr müsse jetzt schon die Vorarbeit geleistet werden: "Wir müssen Leute einbeziehen und stark machen." Eine Möglichkeit sei es da auch, die Führungsaufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen.

Philipp hat nicht den Eindruck, dass die Partnerschaft, die auf eine amtliche, eine Vereins- und eine private Basis gestützt ist, sich insgesamt abgekühlt habe. In Le Croisic etwa beweise der Präsident des Comité de Jumelage, Bernard Guitton, durchaus die Fähigkeit, die Bürger für die Sache zu motivieren und neue Leute anzusprechen. Die Tour einer von Guitton angeführten Radfahrergruppe von der Bretagne an den Hochrhein zur 800-Jahr-Feier von Laufenburg im September 2007 sei "eine tolle Sache" gewesen.

Auf Kontakte mit den Menschen kommt es vor Ort an


Die zehnte Pfingstreise des Schwarzwaldvereins im kommenden Jahr werde bereits vorbereitet, "und ich muss eher welchen absagen", so Philipp zum ungebrochenen Interesse an dem jeweils 14-tägigen Familienevent mit bisweilen mehr als 90 Teilnehmern, das zweierlei speziell macht: Es bindet generationenübergreifend auch Junge ein, und es sind immer wieder neue Leute dabei. "Wir gehen in die Städte hinein, suchen und pflegen den Kontakt zu den Leuten", erklärt der Initiator ("Man darf das nicht nur touristisch nutzen") den Gedanken dahinter. Und jedes Mal würden die Laufenburger in Le Croisic herzlich aufgenommen: "Die Leute stehen am Bahnhof und empfangen uns, kommen in unser Camp. Und auch wenn wir wieder abreisen, steht eine Abordnung da."

Just so war es auch eben wieder, als 32 Jungen und Mädchen der Hans-Thoma-Schule, die zu einem Austausch nach Le Croisic reisten, herzlich willkommen geheißen wurden – auch von der im März neu gewählten Bürgermeisterin Michèle Quellard (BZ von gestern, Mittwoch). Dass Freundeskreischefin Malleis es in der Hauptversammlung als nicht ihre Aufgabe, sondern diejenige der Stadt abgelehnt habe, Quellard nach Laufenburg einzuladen, mag Philipp nicht nachvollziehen: "Man muss auch mal über den eigenen Schatten springen."

Philipp, anno 1971 mit seiner Familie aus München an den Hochrhein gekommen und inzwischen Rentner, setzte sich von Anfang an für die Jumelage ein – und bei weitem nicht nur dafür. Naturschutzwart, Hornissen- und Biberexperte, Stadt- und Salmführer, Organisator von Stadtspielen und Angeboten beim Kindersommer, Altstadtdekorateur zur Weihnacht: Nicht umsonst ist der auf vielen Feldern aktive Laufenburger im Oktober 2006 für 30 Jahre des ehrenamtlichen Engagements mit der Ehrennadel des Landes ausgezeichnet worden.

Autor: Winfried Dietsche