Wenn Musiker sprechen

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Fr, 16. Februar 2018

Klassik

Evangelische Studentenkantorei mit Schütz’ "Schwanengesang".

Ein meisterliches musikalisches Alterswerk – Heinrich Schütz schuf seinen "Schwanengesang" bewusst als sein letztes Werk nur wenige Jahre vor seinem Tod –, interpretiert von einem jungen Chor: Florian Cramer und der Evangelischen Studentenkantorei Freiburg ist eine begeisternde Interpretation gelungen. Mit ihrer enormen Vitalität und Spannkraft überzeugten die jungen Musiker ihr Publikum in der evangelischen Stadtkirche Schopfheim und der Freiburger Christuskirche.

Das Werk, das ebenso mit einem Kammerchor aufgeführt werden könnte, profitiert in der durchdachten Interpretation von Cramer gerade von der vielstimmigen Chorbesetzung und dem Zusammenspiel mit dem Solisten-Ensemble Voces suaves aus Basel. Plastisch stellt Cramer den doppelchörigen Charakter heraus, nutzt die unterschiedlichen Chor- und Instrumentalklänge für dynamische Abstufungen im Sinne eines Registrierens ebenso wie für die klare Strukturierung. Sowohl den polyphonen als auch den eher homophonen Partien des Werkes wurde Cramers Interpretation gerecht. Die Instrumentalisten der Capella friburgensis überzeugten durch einfühlsames Spiel im Tutti als auch in allen Mikro-Besetzungen – Streicher, Bläser, wechselnde Basso-continuo-Besetzungen.

Heinrich Schütz’ Vertonung des 119. Psalms ist ein klingendes Bekenntnis: Der Komponist verwob Sprache und Text miteinander, orientierte sich maximal am deutschsprachigen Text und vertiefte und intensivierte den Sprachgehalt in kunstvoller Weise. Die Studentenkantorei und die Solisten interpretierten unter Leitung von Cramer ebenso nah am Text. Auch die instrumentalen Klänge der Alte-Musik-Spezialisten Capella friburgensis fügten sich in die sprachorientierte Darbietung ein – fast meinte man, als "sprächen" die Musiker, obschon ohne Text, doch gleichermaßen deutlich wie die Sänger. Die Studentenkantorei beeindruckte ihr Publikum mit ihrem jungen, spannungsvollen und vielseitigen Klang. Cramer ist eine lebendige und spannende Interpretation gelungen.