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05. Juli 2012

Wer wird neues Stadtoberhaupt ?

RÜCKBLICK AUF FRÜHERE ELZACHER BÜRGERMEISTERWAHLEN: "Rekordmänner" im Rathaus sind Georg Rapp und Erich Bayer.

  1. Bürgermeister Erich Bayer: Gratulationen nach der Wiederwahl 1975. Foto: Archiv N. Bayer

ELZACH. Roland Tibi? Michael Meier? Stefan Schünemann? Am kommenden Sonntag, 8. Juli, vermutlich so gegen 20 Uhr, weiß man mehr, wer von diesen dreien neuer Bürgermeister von Elzach wird. Vielleicht. Denn gut möglich, dass es mangels einer absoluten Mehrheit zu einer Nach- und Stichwahl am 22. Juli kommt. Schau’n mer mal. Spannend war es in der Vergangenheit schon öfters bei Wahlen um das Amt des Elzacher Stadtoberhaupts, wie folgender Rückblick zeigt.

Nicht das Amt des Bürgermeisters, sondern das des Schultheißen war in der ferneren Vergangenheit das wichtigste in kleinen Städten wie Elzach. "Das vornehmste Amt in der Stadt war das des Stadtschultheißen. Er war zumeist auch herrschaftlicher Amtsverwalter und andererseits ein Organ der Stadt, wurde vom Rat gewählt und von der Herrschaft bestätigt", schreibt Ehrenbürger Josef Weber in seinem Buch "Zur Geschichte der Stadt Elzach". Nach verdienten Schultheißen wie Hans Georg Sonner (1638 bis ’57) oder Johann Georg Häberlin (1657 – ’76) haben die Elzacher in späteren Zeiten sogar Straßen benannt.

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Dem Bürgermeister als "zweiter Mann" nach dem Schultheiß oblag die Abwicklung von Verwaltungsgeschäften, insbesondere die Führung der Stadtkasse. "Vom Beginn der (erhaltenen) Ratsbücher ab", so schreibt Josef Weber, "sind die Amtsbürgermeister lückenlos bekannt." Holger Krezer, der jetzt vorzeitig sein Amt aufgab, war Nummer 43 in einer langen Reihe seit dem Kriegsjahr 1637.

Beschränkt man sich aber auf dieses und das letzte Jahrhundert, bleiben insgesamt nur zehn übrig – Beständigkeit war oft Trumpf in diesem Amt. Gleich der erste, der im 19. Jahrhundert als Bürgermeister zurücktrat, tat dies im hohen Rentenalter und hat bis heute den Rekord inne: Georg Rapp amtierte 37 Jahre lang, von 1870 bis 1907. Nach ihm ist der Brunnen vor der Volksbank und eine Straße beannt. Sein Nachfolger Hermann Pfaff war immerhin genau 20 Jahre lang Rathaus-Chef. Ihm folgte von 1927 bis 1933 Adolf Rapp. Die Nazis setzten Rapp 1933 ab und prügelten ihn aus dem Rathaus; Parteimitglied Emil Riegger wurde von 1933 bis ’45, natürlich ohne Wahl, als Bürgermeister eingesetzt. Kaum zogen die siegreichen Franzosen im April 1945 in Elzach ein, setzten sie Emil Riegger ab und holten Adolf Rapp als Bürgermeister zurück; er wurde bald darauf auch demokratisch bestätigt und blieb weitere zehn Jahre, bis zu seinem plötzlichen Tod 1955, im Amt.

1955, ein Jahr mit hartem Bürgermeisterwahlkampf

Dies hatte den wohl härtesten Bürgermeisterwahlkampf in Elzach im vorigen Jahrhundert zur Folge: Besonders Fabrikant Xaver Dufner, CDU-Gründungsmitglied und -Stadtrat, machte sich große Hoffnungen. Dass dann aber der fast 20 Jahre jüngere Kaufmann Erich Bayer am 24. April 1955 mit 694 von 1192 abgegebenen Stimmen auf Anhieb das Rennen machte, war eine echte Überraschung und riss eine Zeitlang tiefe Gräben im Städtle zwischen den jeweiligen Anhängern auf. Xaver Dufner erhielt nur 457 Stimmen. Dritter Kandidat war der junge Volkswirt Kurt Thoma, ebenfalls aus Elzach, mit 41 Stimmen.

Doch die Wahl Bayers wurde zu einer Ära: Insgesamt 28 Jahre lang leitete er die Geschicke der Stadt, zu der nach der Gemeindereform in den 70er Jahren noch Katzenmoos, Yach, Prechtal und Oberprechtal hinzukamen. Erstmals wiedergewählt wurde Erich Bayer mit überwältigender Mehrheit als einziger Kandidat 1963. Diese zweite Amtsperiode dauerte zwölf Jahre, wobei er am Schluss wegen der Gemeindereform kurze Zeit als "Amtsverweser" fungierte.

Bei der ersten Bürgermeisterwahl für die heutige Gesamtgemeinde Elzach hießen 1975 Bayers Gegenkandidaten Augustin Gutmann, der 35 Jahre alte Bürgermeister des nun eingemeindeten Prechtals sowie der genauso alte Oberpostmeister Siegfried Bauchinger aus Waldkirch. Bauchinger war der erste auswärtige Kandidat in Elzachs Wahlhistorie überhaupt. Er erhielt 491, Gutmann 1191 und Bayer 1717 Stimmen, also gleich die absolute Mehrheit. Nach weiteren acht Jahren ging Bayer, der Kommunalpolitiker von altem Schrot und Korn, im Juni 1983 in den Ruhestand, den er allerdings nicht sehr lange genießen durfte: Im Februar 1987 starb er überraschend. Bayer hatte übrigens nach Georg Rapp die zweitlängste Amtszeit eines Elzacher Stadtoberhaupts seit den noch vorhandenen Ratsprotokollen. Auch nach ihm ist inzwischen eine Straße benannt.

1983 sechs Kandidaten, 2007 sogar sieben

Ein Sextett bewarb sich 1983 um Erich Bayers Nachfolge: Nochmals Augustin Gutmann (inzwischen Verkehrsamtsleiter), dann Fachoberlehrer Siegfried Reiner, Geschäftsführer Heinz Weber und Diplomingenieur Siegfried John, alle aus Elzach. Dazu der Münchener Politologe Claus B. Wuermeling sowie Bernhard Apfel, 31 Jahre alter Bürgermeister von Nordrach. Dass es Apfel trotz fünffacher Konkurrenz mit mehr als 49 Prozent oder 1955 Stimmen fast schon im ersten Wahlgang schaffte, war die große Überraschung. Gutmann erhielt 1084, Reiner 455, Weber 259, John 185 und Wuermeling 16 Stimmen. Weber und John verzichteten in Runde zwei, die Apfel nun locker mit 2337 Stimmen (61,16 Prozent) für sich entschied, vor Gutmann (1066), Reiner (390) und Wuermeling (20 Stimmen).

Zweimal das Duell Apfel gegen Heitz

Acht Jahre später war die Bewerbungsfrist fast schon um, als am letztmöglichen Tag, 22. März, kurz vor 18 Uhr, der 48 Jahre alte Lahrer Amtsrichter Michael Heitz aus Schwanau seine Unterlagen im Rathaus abgab. Spätestens nach der gemeinsamen Wahlveranstaltung im Haus des Gastes, als Apfel von verschiedenen Seiten heftig angegriffen wurde, war für Spannung im Duell Amtsinhaber gegen Herausforderer gesorgt.

Dass dann aber Apfel am 14. April 1991 gegen Heitz mit 31,87 gegen 67,95 Prozent klar und deutlich verlor, gehört ebenfalls auf die Liste der faustdicken Überraschungen bei Elzacher Bürgermeisterwahlen. Sie war vermutlich sogar die größte von allen und hätte gewiss Stoff für eine kommunalpolitische Diplomarbeit hergegeben. Noch lange wurde im Städtle darüber diskutiert.

"Überraschung" hieß es auch 1999: Bernhard Apfel wollte es noch mal wissen, forderte seinen Nachfolger heraus und gab, wie jener acht Jahre zuvor, seinerseits erst am letzten Tag seine Bewerbungsunterlagen ab. Doch es gab kein Comeback, im Gegenteil: 80,7 Prozent für Michael Heitz, 19 Prozent für Apfel.

2007 ging Heitz in den Ruhestand. Um die Nachfolge kandidierten Rita Krause, die 1,1 Prozent Zustimmung erhielt, Martin Walcher (2,2), Bernhard Schindler (5,9), Uwe Schapeit (8,4), Edgar Huber (14,9) , Nikolaus Bayer (18,8) und Holger Krezer (48,5), der es somit in Runde eins schon fast geschafft hätte. In Runde zwei bleib nur Nikolaus Bayer als Gegner übrig (25,4), Krezer schaffte 74 Prozent und wurde neuer Bürgermeister. Er blieb es nur fünf Jahre. Der nächste Rathaus-Chef steht am Sonntag fest – oder am 22. Juli.

Autor: Bernd Fackler