Vergabe

Wer zieht ins Ordnungsamt in der Basler Straße 2 ein?

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Di, 24. Januar 2017

Freiburg

Die Stadtverwaltung will die Basler Straße 2 verkaufen – Mindestgebot fünf Millionen Euro. Am 31. Januar entscheidet der Gemeinderat, wer den Zuschlag erhält. Nach BZ-Informationen wird hauptsächlich über das Studierendenwerk und das „Haus des Engagements“ diskutiert. Das Studierendenwerk hat die Nase vorn, und die Genossen kritisieren das Verfahren als unfair.

Der Kampf um die Basler 2 läuft. Sechs Bewerber haben Angebote für das Eckgebäude an prominenter Stelle abgegeben, von dem die Ämter bald ins neue Rathaus im Stühlinger ziehen werden. Zwei der Interessenten haben sich geoutet und machen vor der Entscheidung nun mobil: Das Studierendenwerk hat alle Stadträte angeschrieben und wirbt für sich. Die Genossenschaft für ein "Haus des Engagements" will noch eine Telefonaktion starten. Am Montagabend beriet der Hauptausschuss des Gemeinderats hinter verschlossenen Türen eine Empfehlung. Die Stadtverwaltung äußert sich zum laufenden Verfahren nicht.

Rathaus führt bereits Gespräche mit dem Favoriten

Nach BZ-Informationen haben alle Bewerber mindestens fünf Millionen Euro geboten und wollen die Post im Haus lassen. Am wenigsten Punkte für die Kriterien zu Kaufpreis und Konzept erhielten Investoren, die mit Abriss oder stärkerer Änderung der Nutzung planten. Das Haus soll möglichst erhalten werden. Die meisten Punkte erreicht das Studierendenwerk, auf Platz zwei rangiert die Käufergemeinschaft Theobald, Schnitzler und Köhler, die die alte Feyelschule in Ebnet retteten, auf Platz drei das Haus des Engagements.

Die Stadtverwaltung empfiehlt, dem Studierendenwerk den Zuschlag zu geben, das seine Verwaltung und seinen Servicebereich für die Studenten in der Basler 2 an zentraler Stelle bündeln und erweitern will. Wie aus dem Papier für den Gemeinderat hervorgeht, hat die Verwaltung mit dem Studierendenwerk über eine Alternative gesprochen: Die Einrichtung könnte das städtische Grundstück im Erbbaurecht übernehmen und das Gebäude für 3,5 Millionen Euro kaufen. Vorteil für die Stadt: Sie bliebe Eigentümerin des Grundstücks.

Das ruft Kritik hervor. Da sei eine besondere Zahlungsmodalität nachverhandelt worden, das sei nicht Teil der Ausschreibung gewesen, sagt Franz-Albert Heimer vom Vorstand der Genossenschaft. In einer E-Mail, die der BZ vorliegt, übt der Vorstand massive Kritik, spricht von inoffiziellen Verhandlungen und zweifelt an, ob das Verfahren objektiv und das Vorgehen haltbar ist. Die Genossen hatten einen Nachweis für ihr Eigenkapital nachgereicht und dafür Punktabzug bekommen. Dem Gemeinderatspapier zufolge hätte sich nichts an der Platzierung geändert, selbst wenn der Nachweis rechtzeitig vorgelegen hätte.

Die Genossenschaft will das Haus zu einem Treffpunkt für Ehrenamtliche machen, querfinanziert über gewerbliche Mieter aus dem sozialen und ökologischen Bereich. "Lage, Zuschnitt – das passt genial", meint Heimer. Die Genossenschaft hat den bekannten Projektentwickler Willi Sutter mit im Boot. Gründungsmitglied ist die Diakonie. Seit Montag hat sie auch ein prominentes Mitglied: Die grüne Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae wurde Genossin. Sie will das Projekt unterstützen, sich aber nicht in die Angelegenheiten des Gemeinderats einmischen. Es gibt auch Studierende, die für das Projekt werben, der Studierendenrat rechnet mit einem Antrag zur ideellen Unterstützung. Bis zur Entscheidung am 31. Januar steige die Spannung, meint Heimer: "Das ist ein Krimi."