Freiwillige in Rheinfelden

Werner Ohme räumt den Müll seiner Mitmenschen weg – ehrenamtlich

Leony Stabla

Von Leony Stabla

Fr, 14. Dezember 2018 um 09:31 Uhr

Rheinfelden

Werner Ohme geht nicht einfach weiter, wenn er auf seiner Gassirunde Müll entdeckt. Mit Handschuhen, Eimer, Zange und Müllbeuteln ausgerüstet sammelt der 72-Jährige Unrat anderer Leute auf.

Eine Gesellschaft ohne Ehrenamtliche ist kaum vorstellbar. Sie übernehmen Aufgaben, die für Hauptamtliche nicht zu leisten sind. Damit schließen sie Lücken, sowohl im zwischenmenschlichen Bereich wie auch in Organisation oder bei der Tatkraft. Ehrenamtliche kümmern sich um andere und helfen das Miteinander zu gestalten. Viele in Rheinfelden sind bereit, einen Beitrag zu einer sozialen Stadt zu leisten, doch kaum einer kennt die Vielfalt der Einsatzgebiete Ehrenamtlicher. Die BZ stellt in einer Reihe Freiwillige und ihre Motivation vor, heute: Werner Ohme.

"Es ist ein beruhigendes Gefühl, etwas Sinnvolles in meiner Freizeit gemacht zu haben", so beschreibt Werner Ohme den Anreiz für seine ehrenamtliche Tätigkeit, das Unratsammeln, wie er es selbst nennt. Inspiriert wurde der 72-Jährige von Arnold Thoms, der auf dem Spielplatz in der Maurice-Sadorge-Straße für Ordnung sorgt. Natürlich habe er auch schon immer viel Müll am Straßenrand liegen sehen, doch das Aufräumen selbst in die Hand zu nehmen, auf diese Idee sei er vorher nicht gekommen. Doch irgendwann habe er sich ein Herz gefasst, sei zum Bauhof gegangen und habe seine Arbeitskraft angeboten. Dort wurde er dann mit Handschuhen, Eimer, Zange und Müllbeuteln ausgerüstet und wählte als Zuständigkeitsbereich die Straßen, die er auf seiner Hunderunde sowieso ablaufe, so Ohme.

"Weil ich möchte, dass es ordentlich aussieht" Werner Ohme
Quici-Hügel, Europa-Stadion, Tutti Kiesi-Areal, Mouscronallee und Werderstraße werden nun regelmäßig von dem Rentner gesäubert. "Weil ich möchte, dass es ordentlich aussieht", erklärt er. Auch er habe schon versucht, weitere Bürger anzustiften, die ihn auf seine Tätigkeit angesprochen haben, doch bisher ist davon leider niemand wirklich in Aktion getreten. "Es wäre so viel besser, wenn das noch mehr machen würden", sagt Ohme, "die Mitarbeiter vom Bauhof haben doch gar nicht die Zeit für all das."



Wenn er auf seinem Spaziergang mit Hündin Lilly sehe, dass es mal wieder nötig sei, dann bringe er sie heim und ginge mit Ausrüstung noch einmal auf Tour, denn Lilly ist das Müllsammeln zu langweilig. "Da muss sie immer stehen bleiben, das mag sie nicht", erzählt der Rheinfelder schmunzelnd. Aber es sei auch gesünder für sie, wenn sie ihre Nase nicht in alles stecken würde, was er so fände, betont er, denn nicht selten seien da Lebensmittel dabei, die als solche kaum noch zu erkennen seien. "Ich denke auch immer an die kleinen Kinder, die sowas finden und anfassen könnten", so Ohme, "da ist es wichtig, dass das jemand weg macht."

Doch habe er auch schon sehr wunderliche Dinge eingesammelt – eine Bohrmaschine, einen Toaster und sogar einen Fleischwolf. Dass jemand ein Tempo oder eine Verpackung, eben Müll, der gerade anfalle wegwirft, das fände er zwar falsch, aber immer noch auf eine gewisse Art verständlich, bei solchen Dingen müsse man allerdings schon mit der Absicht von zuhause los gehen.



"Einen Toaster hat man ja nicht einfach dabei", sagt der ehemalige Kraftwerksmitarbeiter kopfschüttelnd und vermutet, dass ein großer Teil der Bevölkerung kein Bewusstsein für Ordnung und Sauberkeit habe, denn das sage ihm auch die Tatsache, dass er viel Müll nicht irgendwo am Straßenrand, sondern einen Meter neben Mülleimern finde. "Dafür habe ich einfach kein Verständnis", gibt Ohme offen zu und kümmert sich ehrenamtlich um das, das eigentlich die Aufgabe jedes Einzelnen wäre.