Wichtig ist stets der soziale Gedanke

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 11. Juli 2018

Ortenaukreis

Das Thema "Arbeit stand im Mittelpunkt des Diözesanverbandstags der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) in Offenburg.

ORTENAU (BZ). Der Diözesanverbandstag der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) hat sich in Offenburg vor allem mit der Thematik Arbeit 4.0 beschäftigt. Motto "Arbeit. Macht. Sinn." Erzbischof Stephan Burger hob in seiner Predigt die Bedeutung dieser drei Worte hervor und fragte, ob damit nicht bereits alles gesagt sei, im Sinne von "Arbeit – Macht – Sinn."? Neben der Verantwortung für die Schöpfung, die Arbeit durchaus bedeute, gebe es aber auch die dunkle Seite der Arbeit – dort, wo Ausbeutung, Gier und Missbrauch von Macht vorherrschen.

Oft sehe man den Sinn seines Schaffens erst nach getaner Arbeit, so könne etwa bei der Bearbeitung eines Steines Abfall entstehen – aber auch eine Kathedrale. Arbeit und Macht müssten dem Gemeinwohl dienen, so der Erzbischof. Keine Macht dürfe beliebig sein. Alles Handeln müsse dem Gemeinwohl dienen: "Wir können die Globalisierung beklagen, die Herausforderung aber ist, sie so zu gestalten, dass sie dem Wohle aller dient, auch den Armen und Benachteiligten." Zum Schluss dankte Stephan Burger den Frauen und Männern der KAB für ihren sozialen Einsatz in Kirche und Gesellschaft.

Über die Herausforderungen der Zukunft referierte auch der ehemalige Betriebsseelsorger aus Böblingen, Pfarrer Paul Schobel. Er befürchtet, dass bei einem bedingungslosen Grundeinkommen jede soziale Verantwortung von Unternehmen auf den Staat abgewälzt werde und ein hemmungsloser Kapitalismus der Gier und Ausbeutung sich breit machen könnte. Schon Papst Leo XIII. habe im 19. Jahrhundert vor der Diktatur der Konzerne gewarnt. Laut Schobel bestehe außerdem die Gefahr, dass nach der "Enteignung der Zeit" ein Großangriff auf den Sonntagsschutz zu befürchten sei. Es müsse außerdem eine neue Formel für "Fortschritt" her: Dieser müsse unbedingt sozial sein und bei allen Menschen ankommen: "Wir werden die Digitalisierung nicht verhindern können, sie macht aber nur dann Sinn, wenn sie den Menschen nicht versklavt durch totale Überwachung und Manipulation."

Scharf ging Schobel auch mit der Kirche selbst ins Gericht: Es sei ein Verrat an der Botschaft des Glaubens, wenn Kirche Tarifverträge nur abschreibe und in ihren Reihen keine Gewerkschaften zulasse. Für die KAB sei es die wichtigste Aufgabe der Zukunft, bei der Kapitalismuskritik zu bleiben, die KAB habe immerhin den Papst auf ihrer Seite. Nicht zu Unrecht habe dieser gesagt: "Diese Wirtschaft tötet." Schobel: "Wir müssen lernen, anders zu wirtschaften, anders zu arbeiten und natürlich auch anders zu leben: schlichter, einfacher, dadurch aber reicher und bewusster und sinnerfüllter zu leben."

Die 105 Delegierten wählten beim Diözesanverbandstag einen neuen Vorstand. Maria Baur aus Forst (66) trat nicht mehr als Vorsitzende an, für sie wurde Birgit Frauhammer (56) aus Freiburg gewählt. Bestätigt als Vorsitzender wurde Peter Klement aus Freudenberg (59). Zum neuen Diözesanpräses wurde Pfarrer Friedbert Böser (60) aus Schwetzingen (früherer stellvertretender Dekan von Offenburg) gewählt. Er war bereits von 2010 bis 2013 in dieser Funktion tätig. Der bisherige Geistliche Leiter, Patrik Schneider (58), Diplom-Theologe aus Achern, kandidierte ebenfalls nicht mehr. Zum erweiterten Vorstand gehören noch Vertreter der Sachbereiche. Hier wurden die Sprecher der Ausschüsse für Interessenvertretung (Reinhard Siegel aus Mannheim, 70), Internationales (Markus Keßner aus Offenburg, 56) und Frauen (Gerlinde Uhl aus Offenburg, 66), sowie zum Sprecher des Ausschusses "Leben im Alter" Bruno Dörr (71) aus Mannheim gewählt. Kassier: Spiros Lytras (46) aus Mannheim. Schriftführerin: Hildegard Maringer (55) aus Mannheim.