Wichtiger Grenzübergang wieder offen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 03. September 2018

Rheinau

Pendler und Wirtschaft begrüßen den Abschluss der Sanierung des Rheinübergangs bei Rheinau.

GAMBSHEIM/RHEINAU (dvn). Seit Freitag, ist die dreimonatige Vollsperrung des Rheinübergangs zwischen Gambsheim und Freistett Geschichte. Vertreter der französischen Départementsrats Bas-Rhin wiedereröffneten mit Rheinaus Bürgermeister Michael Welsche die deutsch-französische Verkehrsader. Danach rollte der motorisierte Verkehr über die neu asphaltierte Strecke.

Wie berichtet, war die Straße vom 4. Juni an gesperrt, weil die beiden Rheinbrücken über die Schleusen sowie über die Zufahrt zum Wasserkraftwerk erneuert werden mussten. Den Kostenrahmen für die Sanierung in Höhe von etwa 3,5 Millionen Euro konnte die Départementsverwaltung einhalten, erklärte deren Bauamtsleiter Erich Friedrich. Auch die Erneuerung der Ill-Brücke und der Fahrbahn der D2 bis zur A 35 sei nach Plan gelaufen. 35 Unternehmen mit bis zu 200 Arbeiter waren in das Projekt involviert. Die Schleusenbrücken sind nun breiter mit einem zusätzlichen Weg für Fußgänger- und Radfahrer, den eine Betonmauer vom Straßenverkehr trennt.
Eigentlich war die Vollsperrung bereits im vergangenen Jahr vorgesehen. Doch zunächst gab es Probleme bei der Planung. "Dann hätte die Vollsperrung bis in den November gedauert", gibt Friedrich zu bedenken. Ein Vorteil hatte die Verzögerung um ein Jahr auch für den Handel und die Industrie auf der deutschen Rheinseite: mehr Vorlaufzeit, um sich auf die Vollsperrung vorzubereiten. Die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK), Vertreter des Regierungspräsidiums Freiburg und des Depártementrates erarbeiteten in mehreren Sitzungen Lösungsansätze. So wurde zum Beispiel eine provisorische Fußgängerbrücke über die Schleusenkanäle gebaut. Das Landratsamt des Ortenaukreises richtete einen Pendlerbus zwischen Rhein und Achern ein – nach einer Bedarfserhebung der IHK bei 150 Betrieben in der nördlichen Ortenau. Die Betriebszeiten der Rheinfähre Drusenheim wurde um eine Stunde ausgeweitet. Dies soll zunächst auch so bleiben, sagte Etienne Wolff, stellvertretender Vorsitzender des Départementsrats, angesichts kommender Brückenarbeiten bei Karlsruhe.

IHK-Hauptgeschäftsführer Kempff: "Meisterleistung"

Die Sanierung ist Teil der Neugestaltung des Rheinübergangs zwischen Freistett und Gambsheim. Seit zehn Jahren arbeitet der Verein Passage 309 der Gemeinden Gambsheim und Rheinau an der Idee eines grenzüberschreitenden Fußgänger- und Radwegs. Im Zuge der Planungen stellten die französischen Behörden 2011 Schäden an den 1974 erbauten Schleusenbrücken fest. Seitdem war der Übergang für Schwerlastverkehr ab 44 Tonnen verboten. "Hätten wir jetzt nicht saniert, dann wären die Schäden viel größer gewesen", betont Friedrich.

"Dass unsere französischen Partner bei einer so komplexen Baustelle den Zeitplan eingehalten haben, ist eine Meisterleistung", lobt IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff. Dennoch hatte die Vollsperrung, wie berichtet, Konsequenzen für die regionale Wirtschaft: Tobias Müller, Geschäftsführer von Duralog in Achern, berichtet von hohen Mehrkosten für den Werksverkehr, die wegen der Vollsperrung entstanden seien: "Wir müssen Mehrkosten von etwa 32 000 Euro für unseren Lkw-Verkehr vom Werk Bischwiller an unser Zentrallager in Achern schlucken." Auf der französischen Rheinseite verzeichneten Geschäfte Umsatzrückgänge von bis zu 20 Prozent, sagte Gambsheims Bürgermeister Hubert Hoffmann auf Anfrage.

Die Neugestaltung des Rheinübergangs ist noch nicht vollendet. Auf Höhe des Wasserkraftwerks wird eine 63 Meter lange Aluminiumbrücke die Lücke schließen. Die Auftragsvergabe folgt im November. Dann werden in einem Werk die Brückenteile zusammengesetzt und im kommenden Frühjahr vor Ort montiert. In ihrer Bauart sei sie die längste öffentliche Fußgänger- und Radwegbrücke in Frankreich, betont Friedrich. Sie hat keine Pfeiler in der Mitte, damit sie bei Bedarf leicht entfernt werden kann, sollten größere Umbauarbeiten am Wasserkraftwerk notwendig sein. Die Eröffnung des gesamten Rheinübergangs dann voraussichtlich Ende Juni 2019 vorgesehen.

Auf der deutschen Seite werden bis zum Ende der zweiten Septemberwoche die Geländer der am Wehrkanal verlaufenden Fußgänger- und Radwegbrücke montiert und das Unterbaugerüst abmontiert. In der kommenden Woche kann es deshalb zwischen 9 und 14 Uhr nochmals zu kurzen halbseitigen Sperrungen kommen, die mit einer Ampel geregelt werden, erklärt Daniel Guldenschuh-Apelt vom Regierungspräsidium Freiburg.

Die gesamte Neugestaltung des Rheinübergangs kostet bis zu 10,8 Millionen Euro. Davon bezuschusst die Europäische Union knapp 3 Millionen Euro.