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27. Juni 2017

Wie auf Zehenspitzen

Schuppanzigh-Quartett.

ETTENHEIM. Das Schuppanzigh-Quartett gab am Sonntagabend in Ettenheim ein Konzert, bei dem Beethoven immer dabei war, aber nicht durch seine eigenen Kompositionen, sondern durch seinen Einfluss auf die Werke von Ferdinand Ries, George Onslow und Felix Mendelssohn-Bartholdy. "Auf den Schultern des Riesen" Ludwig van Beethoven bereiteten die genannten Komponisten die "Wege in die Romantik". Das ergab ein Konzert, das nicht nur durch die historisch informierte Herangehensweise des Schuppanzigh-Quartetts überzeugte, sondern auch durch die kluge Moderation von Violinist Anton Steck.

Steck ist Gründer des Schuppanzigh-Quartetts, in dem Franc Polmann die zweite Violine, Christian Goosses die Viola und Werner Matzke den Cellopart innehat. Ignaz Schuppanzigh gilt als Gründer des ersten professionellen Streichquartetts, das mehrere von Beethovens Kompositionen uraufgeführt hat. Überall Bezüge zu Beethoven also, nur nicht immer so offensichtlich wie im "Ta ta ta ta"-Motiv des ersten Satzes von Ferdinand Ries‘ Quartett c-Moll, bei dem sich der Schüler Beethovens aus dessen fünfter Sinfonie bediente. Doch während Beethoven seinen musikalischen Motiven immer weiter auf den Grund geht, erlaubt sich Ries eine fantasievolle Variationenreise, in der vor allem der zweite Satz durch die Kombination von Menuett und Adagio eine reizvolle Spannung erzeugt.

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Auch in George Onslows Quartett in g-Moll widmet sich ein Satz einem allseits bekannten Motiv: Als Andante religioso komponierte der als "französischer Beethoven" bezeichnete Onslow Variationen über "God save the King". Nicht staatstragend, sondern geradezu sehnsuchtsvoll erklingt das Stück, feinsinnig umgesetzt und bis in letzte Verästelungen hinein sensibel intoniert von den Musikern, die sich vor allem durch einfühlsamen und zugleich zupackenden Stil auszeichnen.

Nach der Pause dann Felix Mendelssohn-Bartholdys "Quartett D-Dur" von 1838, ein hoch komplexes Werk, bei dem jeder Satz in sich fast sinfonische Strukturen aufweist. Der Übergang von der Klassik zur Romantik wird hier vollzogen, formale Strenge durch Emotion ergänzt. Vor allem im dritten Satz "Andante espressivo" läuft das Schuppanzigh-Quartett zur Hochform auf, spielt wie auf Zehenspitzen leicht und dennoch eindringlich. Großer Applaus.

Autor: Juliana Eiland-Jung