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26. Januar 2010 01:54 Uhr

Studie

Wie Deutschland Ökoland werden kann

Kann man allein mit Bio-Landwirtschaft die Bevölkerung ernähren? Darüber streiten sich Experten seit langem. Eine Studie zeigt, dass dies möglich wäre – wenn alle mitmachen.

  1. Karotten statt Fleisch? Foto: dpa

FREIBURG. Kann man allein mit ökologischer Landwirtschaft die Bevölkerung ernähren? Über diese Frage streiten sich Experten seit langem. Nun hat der Ökoanbauverband Bioland eine Studie vorgelegt, die zeigt, dass eine Komplettumstellung möglich wäre – allerdings nur, wenn alle mitmachen.

Damit sie die gleiche Erntemenge produzieren wie ihre konventionellen Kollegen, benötigen Biobauern deutlich mehr Fläche. Der Grund: Sie verzichten auf chemische Düngemittel und Pestizide. Zuletzt hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung vor einem Jahr berechnet, dass 69 Prozent mehr Ackerland in Deutschland nötig wäre, um den gleichen Ertrag zu erwirtschaften wie bislang. Dies sei im dicht besiedelten Deutschland nicht möglich, hieß es.

Bioland hält nun dagegen: Dass so viel Ackerfläche benötigt werde, liege hauptsächlich daran, dass in Deutschland so viel Fleisch produziert werde. Denn um eine Kalorie Schnitzel, Schenkel oder Steak zu erzeugen, müssen je nach Tierart und Produktionsweise drei bis 15 Kalorien als Getreide oder Soja verfüttert werden. Allein 60 Prozent der Agrarfläche wird derzeit benötigt, um Futterpflanzen anzubauen. Würden die Deutschen also ein Viertel weniger Fleisch essen, so die Rechnung von Bioland, blieben 2,1 Millionen Hektar Ackerfläche frei, die für die ökologische Landwirtschaft genutzt werden könnten. Wenn die Bevölkerung auf die Hälfte des heute verzehrten Fleisches verzichten würde – wie dies im Übrigen auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung aus Gesundheitsgründen empfiehlt – dann könnten sogar mehr als vier Millionen Hektar Ackerfläche anders genutzt werden: genug, um aus ganz Deutschland ein Ökoland zu machen.

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Dass die Deutschen wohl kaum kurzfristig ihre Ernährung so radikal umstellen werden, weiß auch Bioland – und nennt deshalb weitere Optionen. Würden weniger Energiepflanzen wie Mais oder Raps angebaut, könnten 1,77 Millionen Hektar Fläche gespart werden. Weitere 1,7 Millionen Hektar für Ökobauern gebe es, wenn die Verbraucher 50 Prozent weniger Lebensmittel wegwerfen würden als bisher. Und: 900 000 Hektar Ackerland könnten laut Bioland frei werden, wenn Deutschland Exportüberschüsse bei Milch und Fleisch abbaut.

Die komplette Umstellung auf ökologischen Anbau hätte zudem noch einen anderen Nebeneffekt: Die durch die Landwirtschaft entstehenden Treibhausgase würden um fast 30 Prozent sinken. Derzeit sind die Bauern für 13 bis 16 Prozent der Emissionen verantwortlich.

Der Deutsche Bauernverband, dessen Mitglieder mehrheitlich konventionell arbeiten, hält die Bioland-Studie allenfalls für "ein nettes Gedankenexperiment". "Praktisch ist das nicht umsetzbar", sagt Frank Wetterich vom Bauernverband. Er wehrt sich gegen "eine Ökodiktatur von oben". Es könne nicht sein, dass der Staat den Verbrauchern vorschreibe, was sie zu essen hätten und den Landwirten, wie sie wirtschaften sollen, sagt Wetterich. "Das muss der Markt regeln."

Auch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat vor einigen Tagen ihre kurz nach Weihnachten getroffene Aussage zurückgezogen, dass die Deutschen aus Klimaschutzgründen weniger Fleisch essen sollten. Eine Komplettumstellung auf ökologischen Anbau hält Aigner ebenfalls für kaum machbar. Bei der Grünen Woche hat sie sich skeptisch dazu geäußert, ob es möglich ist, die Bevölkerung allein mit Bioprodukten zu ernähren.

Autor: Beate Beule