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13. März 2010

Wie einst die Salpeterer

Freiheitslieder als Kontrapunkt zum Pumpspeicherkraftwerk.

  1. Lieder und Balladen, die vom Leben der eigenwilligen Freibauern im Hauensteiner Land erzählen, trug Roland Kroell vor, unterstützt von Geiger Gino Suter und mit ergänzenden Textbeiträgen von Martin Schley (links) Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

RICKENBACH-ALTENSCHWAND (kss). "Kreativität und politisches Engagement gehören zusammen", findet Michael Peter, der Vorsitzende des Vereins gegen die Zerstörung von Abhau und Haselbachtal. Das sei auch die Motivation gewesen, im Zusammenhang mit dem Protest gegen den Bau des Pumpspeicherkraftwerks Atdorf einen Abend mit Freiheitsliedern zu gestalten. Bereits zum Gründungstag der Bürgerinitiative vor rund einem Jahr hatte Roland Kroell ein Lied zur Erhaltung des Hotzenwaldes geschrieben, in dem er die Strombosse als "Betonraben" apostrophiert und die Hotzenwälder aufruft aufzuwachen. Nun sang er einige seiner vor fast 30 Jahren vertonten, damals nahezu vergessenen Freiheitslieder der Salpeterer. Der Geiger Gino Suter aus dem schweizerischen Gipf-Oberfrick, bekannt als "de Hans mit de Giige", improvisierte dazu ebenso spontan wie kongenial seine teils melancholischen, teils aufstachelnden Melodien. Zur Auflockerung spielten die beiden Künstler ein paar Tanzstücke.

Der Freiburger Kabarettist Martin Schley ergänzte das Programm mit seinen humorvollen, nachdenklich bis absurd gestalteten Texten und Pseudoanfragen. Michael Peter machte die Dimensionen der geplanten Überbauung deutlich, die der Größe von 140 Fußballfeldern entspreche. Er informierte über die Offenlegung des Raumordnungsverfahrens am 12. April und schloss mit dem Hinweis, wie auch die Salpeterer für die eigenen Rechte kämpfen zu wollen: "Für unsere Lebensgrundlagen gibt es keine Ausgleichsmaßnahmen."

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Eindrücklich schildern die Salpetererlieder den unbändigen Freiheitsdrang des laut dem Zitat eines Autors von 1910 "trotzigen und stolzen alemannischen Menschenschlags" auf dem Hotzenwald.

Während Roland Kroell analog zu den historischen Balladen der Salpeterer in seinen Liedern zur Situation auf dem Wald mit seinem Wortschatz nicht gerade zimperlich ist, um die "Stromhalunken" zu vertreiben, wartete Martin Schley eher mit subtiler Ironie und einem gerüttelten Maß an Selbstkritik auf. In seinem – herrlich mit einer einsaitigen Gitarre begleiteten "Schwarzwaldlied" geht er humorvoll mit dem eigenen Brett vor dem Kopf ins Gericht.

Autor: kss