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02. April 2013

Wie Getrenntes zusammengeht

Bis zum 28. April stellen die Geschwister Göhringer Objekte und Skulpturen im Georg-Scholz-Haus aus / Vernissage mit Akkordeonmusik von Viktor Trippel.

  1. Viktor Trippel spielte bei der Vernissage auf seinem Bayan. Foto: Bilke

WALDKIRCH. Bis zum 28. April stellen die Geschwister Armin Göhringer und Petra Göhringer-Machleid im Georg-Scholz-Haus Skulpturen und Objekte aus. Am 6. April, 20 Uhr ist die traditionelle Schreibnacht, Gelegenheit Eindrücke von den Werken in Literatur zu verwandeln.



Viktor Trippel, Dirigent des Akkordeonclubs Oberes Elztal, spielte zur Vernissage auf seinem Bayan, einem Knopfakkordeon russischer Bauart. Die Synergie von Musik und Kunst bereichert nicht nur eine Vernissage, sondern wird, wie Volker Lindemann, Vorsitzender des Kunstforums, am Rande der Vernissage im BZ-Gespräch erklärte, die Zukunft des Georg-Scholz-Hauses ausmachen, wenn die städtische Musikschule und das Kunstforum das Gebäude gemeinsam beleben. Die Planungen dazu seien im vollen Gang.

Zu den Künstlern: Nachdem der Bruder ihres Vaters im Krieg gefallen war, übernahm ihr Vater die Schuhmacher-Werkstatt der Großeltern, obwohl er Künstler werden wollte. In jeder freien Minute widmete er sich der Kunst. Aufgewachsen sind die beiden Geschwister bescheiden. Einig sind sie sich, dass dieses biographische Element ihr Leben und Werken geprägt hat. Das Ausloten des im Rahmen des Möglichen Entfaltbaren beschäftigt beide. Mit einer Kettensäge transformiert Armin Göhringer ein Stück Holz in eine filigrane, an Alberto Giacometti erinnernde Skulptur und surft dabei der Grenze des Machbaren entlang. Diese Vorgehensweise löst nicht nur bei Betrachtern mit handwerklich geschultem Blick Bewunderung aus: da ist ja wirklich alles aus einem Stück, nichts geklebt, geschraubt, sondern in sich verschränkt. Mit Blick auf dünne Holzlianen, die einen Klotz tragen, beschreibt Göhringer den expressiven Charakter seiner Werke: "Wir probieren uns aus." Unser Weltgefüge sei, so Göhringer, davon geprägt, dass es wie das Material Holz Spannungen in sich trägt, an das grob herangegangen wird, wenn verkopft Entwicklungen vorangetrieben werden, bei denen die Seele nicht nachkommt.

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Auch die Werke von Petra Göhringer-Machleid kreisen technisch und thematisch um die Vereinbarkeit von Gegensätzen. Ihre Geburtstage sind Anlass für ein Jahreswerk, wie jene Installation mit 48 durchnummerierten und dementsprechend aufgestellten Blöcken aus Paraffinwachs und Beton im Erdgeschoss des Georg-Scholz-Hauses. Sie fand es immer wieder spannend, das Ergebnis aus der Verschalung herauszuholen. Gemeinsam ist den Materialien der anfängliche Zustand der Flüssigkeit, aber bei Beton wird das mit Wasser, bei Wachs mit Fett erreicht, das heißt im flüssigen Zustand wollen sich Beton und Wachs nicht mischen, sondern trennen. Die Schichtungen, die nach dem Erstarren entstehen, behalten etwas von diesem Bestreben in latenter Bewegung eingefangen. Mit der persönlichen Lebenszeit verhalte es sich ähnlich, so Petra Göhringer-Machleid. Vergangenes Erleben ist einerseits vergangen, erstarrt als erinnerte Zeit, dynamisiert andererseits aber die Gegenwart, wirkt weiter im zukünftigen Erfahren.

Wie Getrenntes zusammengeht, das war in mehrfacher Hinsicht Leitmotiv der Vernissage am Sonntag. Das Geschwisterpaar geht getrennte Wege, jeder hat sein Lebensumfeld, aber es verbindet viel. Anlässlich der Parallelausstellung in Waldkirch und in der Galerie am Tor in Emmendingen haben sie gemeinsam Objekte entworfen und miteinander Verwachsensein sichtbar gemacht. Beide fanden es spannend sich auf neues Terrain zu begeben, Wachs nicht nur gießend, sondern modellierend zu verarbeiten, das Dunkle lasierten Holzes mit dem Licht von Wachs zu verbinden. Um Struktur und Kontrast möglichst lange zu erhalten, hat Göhringer-Machleid dem Paraffinwachs einen Lichtschutzfaktor beigemischt, um dessen Vergilbung entgegen zu wirken. Eines der gemeinsam geplanten Objekte besteht aus Holz und einer Kunststoffscheibe beschichtet mit Wachs. Je nach Lichteinfall hinterlässt das Objekt den Eindruck eines dreidimensionalen Fotos, erstarrte, eingefangene Bewegung einer geheimnisvollen Holzkonstruktion, die eine rotierende Scheibe befreit von Schnee und Eis freilegt.

Autor: Ernst H. Bilke