Fan-Ratgeber

Wie schwarz-rot-gold darf mein Auto während der Fußball-WM sein?

Diana Pfister

Von Diana Pfister (dpa)

Mi, 13. Juni 2018 um 00:00 Uhr

Auto & Mobilität

Am Donnerstag beginnt in Moskau die Fußball-Weltmeisterschaft. Car-Bikini, Flaggen und Hupkonzert – was ist für feiernde Autofahrer während der WM erlaubt?

Für etliche Fußballfans gehört es dazu, das Auto zu schmücken und nach einem gewonnenen Spiel durch die Innenstadt zu fahren – besonders zur Weltmeisterschaft. Doch was ist erlaubt, was geduldet und was verboten?

Fangesänge, Freudentänze und Fremde, die sich plötzlich weinend in den Armen liegen. Neben solchen Szenen auf den Fanmeilen und in den Stadien erwarten Experten für die Fußball-WM im Juni und Juli auch auf den deutschen Straßen wieder einen Ausnahmezustand. Doch nicht alles, was Spaß macht, ist erlaubt.

Weit verbreitet ist Autoschmuck. Klassiker sind der sogenannte Car-Bikini, ein Überzieher in den Landesfarben für den Seitenspiegel, und Fähnchen für die Seitenfenster. "Beides ist erst einmal unproblematisch und erlaubt", erklärt Michael Siefener, Sprecher des Bayerischen Innenministeriums in München. "Allerdings darf der Fahrer nicht behindert werden." Die Fahne darf etwa den Blick aus dem Seitenfenster nicht versperren.

Rainer Camen vom TÜV Nord nennt einen weiteren Aspekt: "Die Fähnchen sind häufig billig gemacht und knicken oftmals ab." Der Autofahrer hafte, wenn durch Abbrechen oder falsche Befestigung Schäden an anderen Fahrzeugen entstehen. Daher rät Camen: "Spätestens vor einer Fahrt auf der Autobahn sollte der Fan-Schmuck demontiert werden. Die Fahnen sind nicht für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt."

Darüber hinaus verursachen sie eine Sicherheitslücke. "Wer sich eine Fahne in die Scheibe klemmt, erleichtert Langfingern die Arbeit, denn der entstandene Spalt ist für sie eine Einladung", so der TÜV-Experte. Der Autoversicherer könne in einem solchen Fall die Regulierung des Schadens sogar verweigern.

Im Hinblick auf die Überzieher für die Seitenspiegel sollte man beachten, dass es mittlerweile zahlreiche Fahrzeuge gibt, an denen die Blinkleuchten im Spiegel integriert sind. Diese dürfen die Überzieher nicht verdecken.

Daneben gibt es weiteren kreativen Schmuck für Fans: halbtransparente Folien für die Heckscheibe oder Radkappen, Nummernschildhalter im Nationalitäten-Look oder selbst gebastelte Auf- und Anbauten. Manch einer lackiert gar sein komplettes Fahrzeug in den Landesfarben.

Auch hier gilt: Es ist erlaubt, solange niemand gefährdet oder behindert wird. Rechtsanwalt Michael Burmann vom Deutschen Anwaltverein verweist in diesem Zusammenhang auf den Paragraf 30 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). Darin heißt es: "Fahrzeuge müssen so gebaut und ausgerüstet sein, dass ihr verkehrsüblicher Betrieb niemanden schädigt oder mehr als unvermeidbar gefährdet, behindert oder belästigt."

Wie ist es mit den hupenden Autokarawanen, die sich nach einem erfolgreichen Spiel durch die Innenstädte ziehen? Autokorsos müssen eigentlich angemeldet werden, erklärt Siefener. "In der Realität finden sie aber immer spontan statt." Die Polizei dürfe dann aus der Situation heraus entscheiden, ob sie den Korso zulässt oder unterbindet. "Einerseits soll alles sicher ablaufen, andererseits möchten auch die Beamten den Fans die Freude nicht nehmen", sagt Siefener.

Dieses Opportunitätsprinzip gilt ebenso für das Hupen, das eigentlich nur in Gefahrensituationen erlaubt ist. Hier muss die Polizei zwischen dem Ruhebedürfnis der Anwohner und der Fanfreude abwägen. "Die Polizei kann, muss aber nicht einschreiten. Sie kann auch mal Fünfe gerade sein lassen", erklärt Burmann.

Wo der Spaß bei der Polizei aufhört

Weniger Spaß versteht die Polizei aber, wenn Gefahr im Verzug ist. Das ist der Fall, wenn jemand glaubt, es gehöre zum Feiern eines Sieges dazu, auf dem Dach oder der Motorhaube des Autos mitfahren zu wollen. Auch kann es sehr gefährlich werden, wenn man sich übermütig aus dem Fenster lehnt. Michael Siefener sind schlimme Unfälle bekannt, bei denen Personen durch das Herauslehnen Bekanntschaft mit dem Gegenverkehr machen mussten oder auf den Bordstein gefallen sind.

"Der Fahrer ist hier in der Verantwortung, aber auch die Beifahrer haben eine Eigenverantwortung. Wenn etwas passiert, kann sich keiner hinter dem anderen verstecken", warnt Siefener. Rechtlich stellt sich die Situation so dar: Wenn jemand verletzt wird, haftet der Fahrer beziehungsweise dessen Versicherung.

"Wenn sich der Verunfallte aber bewusst in Gefahr gebracht hat, trifft ihn ein Mitverschulden", sagt Burmann. Möglicherweise werde ihm daher nicht sein ganzer Schaden ersetzt. "Der Anspruch kann prozentual gekürzt werden."

Grundsätzlich gilt also: Wer zur WM sicher und legal unterwegs sein möchte, sollte sein Fahrzeug nur so ausstatten und fahren, dass er weder sich selbst noch andere gefährdet. "Die Straßenverkehrsordnung ist schließlich nicht außer Kraft gesetzt. Eine rote Ampel bleibt eine rote Ampel", sagt Siefener. Das gelte auch für Alkohol am Steuer. Selbst nach einem WM-Sieg gilt: Der Fahrer bleibt nüchtern.